Unravelling the Mystery

One cries because one is sad. For example, I cry because others are stupid, and that makes me sad.
–Dr. Sheldon Cooper

Ich gebe es offen und ehrlich zu: ich mag The Big Bang Theory nicht. Anfangs war ich total begeistert, denn ganz ehrlich, eine nerdige Serie im Mainstream-Fernsehen ist schon ziemlich cool. Aber je mehr ich gesehen habe, desto ernüchterter wurde ich. Warum? Darum:

Die Serie ist das Äquivalent der beliebten und “coolen” Kids, die in der Schule verstohlen oder ganz offen mit dem Finger auf uns “Streber” gezeigt und uns geschubst haben. Es ist “Comedy”, aber nicht zum Lachen: Man (also der Nullachtfuffzehn-Zuschauer) lacht nicht mit den Protagonisten, sondern über sie, weil sie – mal wieder, muhaha, gähn – etwas völlig abgedreht nerdiges gemacht haben, was man nicht versteht oder gar verstehen kann, weil man eben nicht einer von ihnen ist. Penny, das unterbelichtete Mainstream-Blondchen von Nebenan, ist die zentrale Identifikationsfigur, und sie tut was sie am Besten kann, nämlich genervt mit den Augen rollen wenn die Freaks wieder etwas besonders freakiges machen, denn sie sind ja sooo weltfremd und lächerlich obwohl – oder gerade weil – sie so intelligent und erfolgreich sind. Stereotyper geht’s echt nicht mehr.😦

Schon klar, The Big Bang Theory ist eine seichte Sitcom die durch hohle Lacher aus der Konserve vorangetrieben wird und keine tiefsinnige soziologische Auseinandersetzung mit Subkulturen, der Wissenschaft und der Gesellschaft per se, aber…

Zunächst wären da die vier männlichen Hauptcharaktere, jeder von ihnen verkörpert eine andere Facette des Klischees vom verrückten Professor, der natürlich total socially awkward (Zwischenruf: wie sagt man das eigentlich auf Deutsch?!) an der Grenze zur Lebensunfähigkeit sein muss. Raj, der nüchtern nicht mit Frauen sprechen kann und Inder ist, denn schließlich kommt alles was mit Computer und Technik und so zu tun hat aus Indien oder China. Wolowitz, der irgendwie gruselige Kleine mit dem großen Ödipuskomplex. Sheldon, das bemitleidenswerte Wunderkind, dessen grenzwertig autistische Marotten ja so niedlich sind. Und schließlich Leonard, der sich sooo sehnlich wünscht “normal” zu sein und dessen einziger Lebensinhalt ist, sich über Sheldons Neurosen aufzuregen und Penny hinterherzusabbern.

Die weiblichen Hauptcharaktere sind nicht wirklich besser, sie regen mich nur noch mehr auf. Penny, die kaugummignatschende Provinzpomeranze, die als Kellnerin arbeitet weil Hollywood eben nicht ausgerechnet auf sie gewartet hat, und die sich mitleidig-amüsiert und immer etwas herablassend mit ihren “seltsamen Nerd-Freunden” abgibt. Bernadette, die süße kleine Molekularbiologin, die sich penny-mäßig dümmer stellt als sie ist und einfach nur unglaublich nervig ist. Amy, die Neurowissenschaftlerin, die uns noch einmal ganz krass deutlich macht, dass man entweder hübsch, beliebt und sexy oder gescheit sein kann, aber keinesfalls beides zugleich, vor allem nicht wenn man eine Frau ist.

Es ist eine Frage von Definition und Identifikation. Vielleicht pauschalisiere ich jetzt zu stark, wenn ich sage: The Big Bang Theory ist keine authentische Repräsentation von Geeks, Nerds oder Wissenschaftlern. Man könnte argumentieren, es sei Satire, aber dafür fehlt mir ein ganz wichtiger Faktor, der eine gute Satire ausmacht: Selbstreflexion und Selbstironie, die beneidenswerte Fähigkeit sich selbst nicht ernst zu nehmen. Das fehlt in meinen Augen komplett, denn wie schon eingangs erwähnt, lachen hier nicht die Mitglieder einer Subkultur über sich sondern “die Normalen” verarschen “die Absonderlichen”.

Ich definiere mich selbst als Geek, als Nerd, als Streber. Ich kenne viele Wissenschaftler aus den diversesten Disziplinen und kann mit Bestimmtheit sagen: ja, sie haben alle irgendwie einen Klescher und das ist auch gut so (wie Captain Janeway sagte: “weird is part of the job!”) – aber sie alle sind Menschen, keine Archetypen. Schade, dass diese “ganz normalen” Nerds nicht in der Serie dargestellt werden – das wäre wesentlich witziger und authentischer.

Wir leben in einem Zeitalter von Toleranz und Akzeptanz und wir haben alle das kleine Ich bin Ich gelesen; haben schon früh verinnerlicht, dass wir alle individuell verschieden sind und okay so wie wir sind, und dass es nicht besonders nett ist, auf Minderheiten oder auf Leuten die einfach nur anders sind als wir, mit dem Finger zu zeigen oder herumzuhacken. The Big Bang Theory hat das leider vergessen: Von Verständnis und Respekt für die Protagonisten, ihre Lebensweise und alles was ihnen wichtig ist keine Spur. Ich möchte jetzt wirklich nicht gleich hysterisch werden und Diskriminierung schreien, aber man bekommt doch irgendwie den Eindruck, als wären die Nerds nur deshalb ins Fadenkreuz dieses fragwürdigen Sinnes für Humor gekommen, weil es nicht mehr politisch korrekt ist über “Weiber”, “Ausländer”, “Schwule”, “Behinderte”, “Juden” und andere wirklich marginalisierte und diskriminierte Bevölkerungsgruppen blöde Witze zu machen. Die Nerds sind da ein leichtes Ziel mit ähnlichem Effekt und weniger Skandal.

Inzwischen hat sich das Bild der Nerds in der breiten Öffentlichkeit gewandelt, sie werden vorsichtig sozial akzeptierter und allmählich sogar sowas wie cool. Ob The Big Bang Theory damit zusammenhängt weiß ich nicht. Ob diejenigen jungen Leute, die wegen der Serie zu Nerds werden und sich die Protagonisten zum Vorbild nehmen, wirklich verstehen worum es dabei geht, wage ich zu bezweifeln.

One cries because one is sad. For example, I cry because “The Big Bang Theory” is stupid, and that makes me sad.
–ich, frei nach Sheldon Cooper

Kurz und gut, Hochbegabten-Bashing war schon in der Volksschule nicht cool und wird es auch nicht sein, wenn es im Hauptabendprogramm läuft. Wenn man jedoch bedenkt, dass The Big Bang Theory von Chuck Lorre produziert wird, der auch für den wahrscheinlich primitivsten und sexistischsten Mist, den das Fernsehen momentan hergibt – nämlich Two And A Half Men – verantwortlich zeichnet, wundert mich das alles irgendwie gar nicht mehr so sehr…:-/

Übrigens: Die 3 Chic Geeks haben einen herrlich treffenden Artikel zum Thema geschrieben, der mich zu diesem hier inspiriert hat, nämlich The Problem With The Big Bang Theory or: Where Have All the Geek Girls Gone? Zunächst dachte ich ja, ich stünde ganz allein da mit meiner Meinung und wäre übersensibel wie so oft oder einfach nur humorlos. Aber offenbar geht’s nicht nur mir so.

3 thoughts on “Unravelling the Mystery

  1. Ich bin kein Sitcom Fan. Früher hab ich gerne Wer ist hier der Boss, Rosanne oder auch Eine schreckliche nette Familie gesehen. Aber inzwischen hat sich mein Humor doch stark verändert.
    Die Serie wurde mir von zwei Freunden (ein IBM Ehepaar – echt clevere Menschen^^) mehrfach empfohlen und ich hab immer wieder abgelehnt, die Serie anzuschauen. Nach ihrer Empfehlung ist jedoch auch How I met your Mother super und ach so witzig (nach spätestens 3 Staffeln allerdings öde, wie ich fand), so dass ich feststellen musste, mit den beiden – bei aller Freundschaft – in Sachen Serien nicht auf einer Wellenlänge bin.
    Dein Eindruck von der Serie erschreckt mich regelrecht und ich bin tierisch froh, dass ich nie reingeschaut hab.

    Was ich allerdings interessant finde ist, dass viele BBT Fans urplötzlich zu Trekkies werden. Ich hab einige Leute in den letzten Jahren kennen gelernt – Fanfic Autoren/Reviewer etc. – die durch diese bekloppte Serie überhaupt erst auf die Idee kamen, sich Star Trek reinzuziehen. Und da frage ich mich, wie das zusammenpasst? Klar, Star Trek ist eine Nerd-Serie, wenn man denn nach der BBT Vorstellung geht. Aber meiner Ansicht nach ist Star Trek für intelligente Zuschauen und BBT eher für die Deppen, die über jeden Müll lachen können (nein, meine Freunde sind keine Deppen, haben aber einen grausamen Seriengeschmack^^).

  2. Nach der dritten oder vierten Staffel habe ich die Serie nicht mehr verfolgt. Ich weiß nur, dass Howards Mutter bei seiner Hochzeit von hinten zu sehen ist und Sheldon Amy geküsst hat. DAS reicht mir bereits!

    Früher habe ich die Serie ganz gerne (auf Englisch) geguckt.Jim Parsons hat seinen Job gut gemacht. Ob der Emmy zweimal gerechtfertigt war, ist eine andere Frage. Seine Rolle ist jedoch gut geschrieben, finde ich. Amys Rolle war an seine Figur angelegt, so wie auch Leonards Mutter. Dass Amy sich anders entwickelt, war erleichternd. Denn zwei oder drei Sheldons halte ich dann doch nicht aus. Dann gibt es noch Howard, der zwar simpel aber irgendwie nachvollziehbar war und die wundervolle Leslie Winkle, auf die die Schauspielerin leider keine Lust mehr hatte. Nicht zu vergessen: die Cameos von Will Wheaton, auch wenn der ein bisschen nervt.

    Die anderen Figuren und ich glaube, dass das Hauptproblem an der Serie ist, sind überflüssig. Anfangs dachte ich immer, dass Leonard die Hauptrolle hat, aber Sheldon und Amy stehlen die Show. Selbst bei den Cameos geht es fast immer um Sheldon. Mir fällt auch gar nicht auf, wie viele Frauen mit Leonard zu tun haben. Nichts gegen Galicki, aber er ist so unscheinbar. Wenn er dann neben Parsons steht, der nunmal größer ist und einen starken Akzent hat, kann er kaum auffallen. Pennys Rolle überzeugt mich an keiner Stelle, nicht einmal, wenn sie den Namen “Nebraska” ausspricht. Außerdem ist Cuoco nicht die beste Schauspielerin…

    Ob man sich in der Serie über Nerds lustig macht, würde ich aber verneinen. Raj ist tatsächlich eine Figur, über die sich nur lustig gemacht wird. Jedoch eher, weil er Ausländer ist und durch seine Schüchternheit bei Frauen an der einzigen Möglichkeit zur Weiterentwicklung in der Serie scheitern muss. Selbst die Schwester hat in ihren kurzen Auftritten mehr zur Serie beigetragen als Raj. Tatsächlich glaube ich, dass die Faszination für Nerdsachen im Mittelpunkt bleibt. Es wird einfach mit den Lieblingsdingen der Charaktere agiert. Selbst wenn Frauen von außen kommen, können sie nicht wirklich etwas ändern. Liegt aber wohl eher daran, dass bis auf eine weibliche Figur, alle anderen ebenfalls Nerds sind. Außerdem hat nie jemand versucht, die “Außenstehenden” in die Insiderwitze und -sprüche einzuweihen. Es gab einen eigenen Code und die, die ihn decodieren konnten, hatten dementsprechend Spaß an der Serie. Die Serie stirbt oder starb bereits, sobald die Figuren ihre Welt vernachlässigen, weil sie sich dann der Masse anschließen.

    Und Comedy ist wirklich eines der schwersten Genres. Sie haben sich für die Lacher im Hintergrund entschieden und für lange Pausen bei den Pointen. Dann läuft jetzt, glaube ich, die 8. Staffel. Es ist einfach zu lang. Die Story muss auch mal zu Ende gehen, sonst kommen keine Ideen mehr. Die Sache, von wegen es gäbe dort nur Klischees, liegt halt auch am Genre. Schau dir “Friends” oder andere Comedys an! In einer Serie soll sich die Figur nicht zu schnell entwickeln, in Comedy erfährt man eher oberflächliche Dinge über sie und ihre Herkunft und es handelt sich oft nur um Karikaturen bzw. Archetypen. Ich glaube, die Absicht war, Gruppen zu zeigen, die man im Alltäglichen nicht so oft sieht und wer das für bare Münze nimmt, für den ist die Sendung nichts.

    Sorry für den langen Text. ^^”

...and thanks for all the fish!

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