Monthly Archives: April 2014

Montagsfrage: Nichtlesesituationen

Und wieder einmal ist Montag, und dazu gehört natürlich die Montagsfrage bei LiBROMANIE. Diese Woche fragt Nina:

Gibt es Situationen, in denen du nicht lesen kannst?

Natürlich gibt’s die. Wenn ich die Augen geschlossen habe und schlafe, zum Beispiel. 😉

Die wichtigste Situation, in der ich absolut nicht lesen kann, ist wenn ich schreibe. Klingt komisch, ist aber so. “The best way to be a good writer is to be an avid reader”, sagte schon meine Volksschullehrerin, und damit hat sie natürlich absolut recht, aber bitte nicht zur selben Zeit. Wenn ich während einer Phase, in der ich wirklich intensiv schreibe, zu viel (bzw. zu gutes) lese, dann vermischt sich alles in meinem Kopf und mein Stil verändert sich und ich lege ganz unbewusst meinen Charakteren die Worte des Autors, den ich gerade lese, in den Mund. Das ist fürchterlich.

Viele der anderen Montagsfragenbeantworter schrieben, sie könnten beim Fahren nicht lesen, weil ihnen übel wird. Mir macht das gar nichts aus, im Gegenteil – im Flugzeug lese ich besonders gern, und nur wenn ich selbst hinter’m Lenkrad sitze lasse ich das Buch lieber weg, wegen der Verkehrssicherheit… 😉 Allerdings lese ich bei zu kurzen Fahrten nicht gern, einfach weil ich mich gerne in Büchern verliere – meine übliche Pendelstrecke ist eine knappe Viertelstunde mit der Straßenbahn, da muss ich gleich wieder unterbrechen kaum dass ich wirklich ‘reingekommen bin, und das macht mich wahnsinnig. So viele Unterbrechungen und Ablenkungen ertrage ich nur bei wirklich banalen Büchern, und um so viel Triviales zu lesen wie ich Bim fahre ist mir mein Leben wirklich zu schade. Also schaue ich aus dem Fenster und höre Musik…

Und was ist mit Euch, liebe Leserlein? Wann könnt Ihr nicht lesen?

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Fuck you, we fucking love science!

Eine entfernte Über-drei-Ecken-Bekannte von vor ungefähr tausend Jahren Facebook-Freundin hat vor ein paar Tagen einen Link zu einem Artikel gepostet, der mich wirklich ziemlich grantig gemacht hat: You’re not a nerd, geeks aren’t sexy and you don’t ‘fucking love science‘!” wird dort ebenso polemisch wie herablassend behauptet. Mag sein. Ich frage mich nur, ob dieser abscheuliche Grad an Verachtung angemessen oder angebracht ist. Meiner bescheidenen Meinung nach: nein, nein, und nochmals nein!

Gerade wir Nerds, Geeks und Wissenschaftler haben in der breiten Öffentlichkeit mit einem massiven Imageproblem zu kämpfen, und ebenso mit Nachwuchssorgen in einem Zeitalter in dem von allen Seiten der brain drain unserer Gesellschaft lamentiert wird. Wir sollten also heilsfroh über und dankbar für jede Initiative sein, die ein Fürsprecher und positiver Multiplikator für “unsere Sache” ist. Ich wage zu behaupten, dass authentische und witzige Facebookseiten da wesentlich mehr bewegen als die Infoflyer perfekt durchgestylter Kampagnen der diversen zuständigen Ministerien, aus denen zu Tode gelangweilte Gymnasiasten sowieso nur Papierflieger falten, und die gut gemeinten Artikel und Reportagen in den Qualitätsmedien, den konservativ-bildungsbürgerlichen wie auch den linksliberal-intellektuellen, unter die die anonyme Meute der Kommentatoren mit Freizeitüberschuss dann “was soll denn der schaas schowieda is ja ur unnötig und dafür hau ma das geld beim fenster auße? das sind meine steuern oida!!!” rotzen kann…

Vom Elfenbeinturm aus auf das Fußvolk ‘runterpinkeln ist einfach. Sich daran zu erinnern, dass auch wir als Nerds, Geeks und Wissenschaftler nicht zwingend die Weisheit für uns gepachtet haben und auch nicht immer schon dort waren wo wir jetzt sind (oder gerne wären), fällt manchen ganz offensichtlich etwas schwerer.

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Fanfictionfreitag: Deep Space K-7

Diesen Fanfictionfreitag möchte ich Euch eine Serie vorstellen, die mir ganz besonders am Herzen liegt, weil sie ein Teil meines wirren Kopfcanons ist und weil der flugunfähige Vogel einfach phänomenal gut schreibt.

Star Trek: Deep Space K-7
von Rennkuckuck auf fanfiktion.de
Teil 1: Iwo Jima | Teil 2: Racheakt | Teil 3: Schatten von Hobus
(P16-Rating, Sprache Deutsch)

Unendliche Weiten, wir schreiben das Jahr 2409… – Die Geschichte nimmt uns mit nach Deep Space K-7, zur Zeit der Handlung von “Star Trek Online”. Die Raumstation muss gegen Gefahren von innen und von außen verteidigt werden, langweilig wird es also nie. Im Vordergrund stehen die frischgebackene Kommandantin Naomi Wildman, der ehemalige Geheimdienstagent Phil Redbay und die andorianische Sicherheitschefin und resident badass Kerra Thelv – ein infernales Trio, das unterschiedlicher nicht sein könnte und sich mitten in der angespannten Lage erst zusammenraufen muss.

Die Geschichte rockt und die Serie wird auch noch weitergeführt! Absolute Leseempfehlung! – mein bisheriger Lieblingsteil ist “Racheakt”.

Geht weg mit eurer Herzscheiße…

(Der Titel dieses Artikels bezieht sich natürlich auf die Herzscheiße des großartigen Funny van Dannen. Wenn man’s nicht kennt und lachen will, sollte man unbedingt ‘reinhören. 😀 )

Schon klar, es ist schwer eine Geschichte ohne Drama und Konflikte und Herzscheiße im Allgemeinen zu erzählen, vor allem wenn es eigentlich um epische Weltraumschlachten und die Rettung der Menschheit und vergleichbar monumentale Themen die man viel zu ernst nehmen muss geht. Und keine Frage, happily ever after und vergleichbare Klischees ziehen halt in seichtschnulzigen Komödien und Sitcoms besser, und wenn es schon um Herzscheiße gehen muss um die armen ahnungslosen Mädchen zu unterhalten, die ihren Männern zuliebe artig mitglotzen und sich vor lauter Raumschiffen schon fadisieren, dann nimmt man doch lieber das Alien der Woche, das praktischerweise in der nächsten Folge schon verschwunden ist, für Geplänkel und Matratzensport herhalten, sodass man sich nicht weiter damit befassen muss. Oder aber, man verrennt sich in übermäßige Dramatik, gebrochene Herzen, sagenhafte Arschlöcher, unresolved sexual tension, teenagerhaft lächerliches Ja-Nein-Vielleicht-Weißnicht-Hab’Angst-Getue, unfreiwillige Königskinder (“…und sie konnten zusammen nicht kommen…” – that’s what she said 😉 ), und was die Klischeekiste sonst noch hergibt, und gerade wenn man glaubt es wird was und da geht was wird’s doch wieder kolossal vergeigt. Ist leichter und ist lustiger, ja? Ist auch eindimensionaler und langweiliger.

Kurz und gut: stabile und respektvolle Liebesbeziehungen sind leider in der Science Fiction (zumindest in “meinen Fandoms”) ziemlich unterrepräsentiert. Ich frage mich, warum das so ist.

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Feliç Sant Jordi!

Heute ist Welttag des Buches, weil Shakespeare, weil Cervantes, weil Josep Pla, weil eh schon wissen. Heute ist Sant Jordi und mein Herz blutet einmal mehr weil ich hier bin und nicht dort, weil heute überall entre mar i muntanya, von den Pyrenäen bis zu den Terres de l’Ebre, der schönste Tag des Jahres ist und die rambles voll mit Büchern und die Buchhandlungen voll mit Sonderangeboten… Es ist der “katalanische Valentinstag” – zumindest wenn man meinem Facebook-Feed glauben darf, der pünktlich zu Sant Valentí voll ist mit Statements wie “jo, de fet, sóc més de Sant Jordi” (“also eigentlich mag ich Sant Jordi lieber”) –und warum ist leicht erklärt. Traditionsgemäß schenkt der edle Ritter seiner Angebeteten eine Rose und die Prinzessin ihrem Angebeteten ein Buch, aber zum Glück leben wir ja in einer modernen und gleichberechtigten Gesellschaft, also YAY! MEHR BÜCHER FÜR ALLE!!!

http://www.manelmarc.com/

Und irgendwann in ferner Zukunft habe ich den Lieblingsmenschen hoffentlich auch so weit katalanifiziert, dass ich auch eine Rose zwei Bücher und dafür keine Rose bekomme. Bis dahin kugel’ ich mich zusammen und lese ein Buch, das ich schon habe, lese Espriu, obwohl das Espriu-Gedenkjahr schon vorbei ist, und träume mich zurück nach Sinera, das um diese Jahreszeit besonders schön ist.

Bona Diada a tothom! Visca Sant Jordi! Visca Catalunya! ||*||

Montagsfrage: Feiertagslektüre

Wie jeden Montag hat auch heute Nina von LiBROMANIE ihre Montagsfrage gestellt:

Welche Bücher hast du über die Ostertage gelesen?

Eigentlich gar nicht so viel, für’s Lesen blieb kaum Zeit – der Lieblingsmensch hatte frei (er arbeitet in einem Beruf, in dem Wochenenden und Feiertage ein Luxus und keine Selbstverständlichkeit sind) und wir waren deswegen familiär umso ausgebuchter. Neben viel Unilektüre und einem Reiseführer in Vorbereitung auf unseren Sommerurlaub lese ich momentan “nur” Die Einsamkeit der Primzahlen von Paolo Giordano (Rezension folgt!). Und außerdem habe ich etwas geschrieben und die neueste Fanfiction meines kongenialen “Co-Autors” betagelesen. 🙂

Sachen machen: Karikaturmuseum Krems

Auf den ersten Blick skurrile Museen gehören zu den Lieblingsdestinationen von mir und dem Lieblingsmenschen – absolutes Highlight bis jetzt ist das Museum of Broken Relationships im wunderbaren Zagreb. Und erst kürzlich sind wir draufgekommen, dass wir die halbe Welt ziemlich gut kennen aber das Land dessen Reisepass wir beide besitzen so gut wie gar nicht. Also wollen wir die nächsten paar Monate (bis ich wieder woanders bin, wo’s schöner ist) damit verbringen, eklatante Bildungslücken zu stopfen und Österreich etwas besser kennen zu lernen.

Gesagt, getan. Heute waren wir in Krems an der Donau (etwa anderthalb Stunden von Wien entfernt in der Wein&Weltkulturerberegion Wachau) im Karikaturmuseum – ein Ausflug, der sich durchaus gelohnt hat, und nicht nur weil es danach Kuchen bei der ortsansässigen Familie gab. Das Museum ist ein Kleinod, das vom Lokalkolorit der hierher ausgewanderten oder zweitwohnsitzenden grünhungrigen Bildungsbürger getragen wird statt von der lebendigen Kunstszene einer pulsierenden Metropole, die Krems nicht ist. Das ist zumindest mein erster Eindruck, aber ich bin auch ein Stadtkind, dem Wien oft noch zu eng ist … aber trotzdem hat es mir hier gefallen 😉

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Das Buch zum Film … oder so?

Mein Verhältnis zu Literaturverfilmungen ist, gelinde gesagt, gespalten. Die meisten regen mich einfach nur auf, vor allem wenn sie Büchern, die ich liebe, so absolut nicht gerecht werden – John Irvings Gottes Werk und Teufels Beitrag und Isabel Allendes Geisterhaus, beide gleichermaßen grandios, aber die Filme sind zum Krenreiben und verstümmeln vielschichtige, gesellschaftspolitisch relevante Weltliteratur zu seichten Hollywood-Schnulzen (letzteren konnte nicht einmal Meryl Streep retten, und das soll was heißen). Für andere bin ich wirklich dankbar, ich denke da vor allem an Umberto Ecos Der Name der Rose, das so monströs episch ist, dass ich beim Lesen frustriert gescheitert bin und erst nach dem Film das Buch wirklich kapiert (und endlich fertiggelesen) habe. Und manchmal lache ich einfach nur schallend und verächtlich über den Wahn der Literaturverfilmungen, vor allem als ich irgendwann kurz nach dem Anlaufen des Films einen glitzernden Sticker “Jetzt neu! Das Buch zum Film!” auf Patrick Süskinds Parfum prangen sah. 😀

Aber da ich grundsätzlich meinungsflexibel bin, möchte ich mich in diesem Post dennoch mit Literaturverfilmungen auseinandersetzen – aus aktuellem Anlass, denn schließlich ist die neue Game of Thrones-Staffel angelaufen (endlich!) und der zweite Teil vom Hobbit ist auf BluRay erschienen. Zeit, meine Meinung zu Literaturverfilmungen zu überdenken.

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Science Fiction und die Genredebatte

“(…) on behalf of all the variations and sub-genres such as urban fantasy, alternate history and steampunk which collectively make up “speculative fiction”, I’d argue that genre fiction is different from literary fiction. Setting a story in another place or another time enables speculative fiction to explore ideas that literary fiction might really struggle with.”

Juliet McKenna – The Genre Debate: Science Fiction Travels Farther Than Literary Fiction. (The Guardian, April 18th)

Fantastischer Artikel zu einer immer wieder aufgeworfenen Frage. Ein absolutes must read für Enthusiasten und ambitionierte Literaturkritiker. Mehr sage ich gar nicht mehr dazu, ein ausführlicher Post zu meiner persönlichen Meinung über Genre und Spekulation ist allerdings in Vorbereitung.

Descanse en paz, Gabo.

Acabo de enterarme con profundo pesar que Gabriel García Márquez ha muerto. El único consuelo es que su obra es inmortal. Muy pocas obras literarias sobreviven el implacable paso del tiempo, muy pocos autores son recordados, pero García Márquez esta en el panteón de los clásicos, junto a los grandes de la literatura universal. Es el más importante de los escritores latinoamericanos de todos los tiempos, el gran exponente del realismo mágico, el pilar del Boom de nuestra literatura, la voz que le contó al mundo quienes somos y nos mostró a los latinoamericanos nuestra propia imagen en el espejo de sus páginas. Todos somos de Macondo. El inmenso talento de García Márquez puso la vara muy alta para todos los escritores que vinieron antes y después, su influencia ha sido como la marea, va y viene en oleadas. Yo le debo el impulso y la libertad para lanzarme a la escritura, porque en sus libros encontré a mi propia familia, mi país, los personajes que me son familiares, el color, el ritmo y la abundancia de mi continente. Mi maestro ha muerto y para no llorarlo, seguiré leyéndolo una y otra vez.
Isabel Allende

Um Berühmtheiten zu trauern, die ich nicht persönlich kannte, liegt mir nicht. Doch mit dem Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez ist heute ein ganz Großer gegangen. Isabel Allende fasst meine Gedanken dazu recht treffend zusammen.

Los libros nos quedarán hasta siempre. Hier eine kleine Liste seiner wichtigsten Werke zur Erinnerung, auch wenn ich “Amor en los tiempos de cólera” gerne durch “Relato de un naufrago (…)” ersetzen würde. Einige Freundinnen und Studienkolleginnen haben spontan einen kleinen Lesekreis ins Leben gerufen, wir wollen Cien años de soledad (Hundert Jahre Einsamkeit) nochmal lesen. Wer sich anschließen möchte, ob auf Spanisch oder in welcher Sprache auch immer, gerne. Einfach Bescheid sagen.