Sachen machen: Lange Nacht der Forschung

Leider bleibe ich ein eingefleischter Wiener.
– Gustav Mahler

Ich auch, und die Lange Nacht der Forschung (4. April 2014) ist ein guter Grund, ausnahmsweise einmal wieder – wenn auch nicht ganz ironiefrei – ganz entzückt von der und ziemlich verliebt in die Stadt zu sein. Doch bevor ich von meinem Besuch erzähle, möchte ich noch eine kleine Bitte äußern: bitte unterschreibt die Petition Wissenschaft ist Zukunft für eine ausreichende öffentliche Finanzierung der Wissenschaft in Österreich, auf dass das Land nicht noch dümmer wird als es eh schon ist.:-/

Das Highlight der “Nacht” war für mich definitiv die Akademie der Wissenschaften (bzw. die Aula der Wissenschaften), wo die Vorstellung der Wissenschaftsbücher des Jahres und das ganz großartige nationale Science Slam Finale stattgefunden haben. Aber von Anfang an…

Ich bin ein großer Fan, sowohl von Langen Nächten der Leiwanden Sachen als auch von Forschung. Diese hier begann – leider, leider – mit zwei Fehlschlägen. Zuerst wollte ich ins Literaturhaus und stand kurz nach Veranstaltungsbeginn vor verschlossenen Türen. Es war zwar ein Winzplakat in einem Schaukasten affichiert, aber selbst auf wiederholtes Klingeln öffnete keiner. Schade drum. Ziemlich betrübt bin ich also weiter zum Naturhistorischen Museum, das ich unbedingt sehen wollte weil ich dort schon seit Jahren nicht mehr war, doch auch da kein Glück. Man hätte sich voranmelden müssen, teilte mir der Portier mit, “da ham’s a Pech g’habt Madame, da hättn’S Ihna infurmiern miassn, des steht do schwoaz auf weiß”, und wedelte mir für etwa drei Sekunden mit einem Zettel, der verdächtig nach einem ausgedruckten E-Mail oder einem internen Memo aussah, unter der Nase herum. Auf der Webseite der Langen Nacht der Forschung und im Programmheft stand jedenfalls nichts davon, und vor dem Museum traf ich dann einige Familien mit enttäuscht plärrenden Kindern, denen es ebenso ergangen war wie mir. Auch schade drum.

Ach, Wien, wie ich Dich liebe! Zu meinem Glück bin ich ja kein grantiger Wiener, sondern habe im Laufe der letzten Jahre genug mediterrane Entspanntheit inhaliert um mir von so Blödheiten nicht den Tag verderben zu lassen, schließlich war das Angebot ja groß genug.

Also weiter ins Museumsquartier, wo Werner Gruber auftrat und es sonst hauptsächlich Kinderprogramm und Würstel gab, und dann in die Urania. Da es ziemlich bewölkt war, konnte man durch das Teleskop nur einen ziemlich faszinierenden, tausend Lichtjahre Meter entfernten “Himmelskörper” sehen – den Rathausmann.😉 Egal, der Ausblick von ganz oben über Donaukanal und Innenstadt war trotzdem schön, und irgendwie musste ich an die Star Trek Voyager Episode mit dem Traktor im Deltaquadranten denken, während ich den Rathausmann im Teleskop bewundert habe… Programm hätte es dort auch gegeben – “a Vurtrog, mit Seiäns Science und so, wissn’S?”, informierte mich ein netter Herr im Corporate-Design-Poloshirt der Volkshochschule – aber der Saal war leider schon überfüllt, also bin ich wieder weitergezogen.

Das Beste kommt wie immer zum Schluss. Ich hatte Glück und wurde in die Österreichische Akademie der Wissenschaften aufgenommen habe einen Sitzplatz in der Aula der Wissenschaften gefunden und habe außerdem Gummibärlis und einen Luftballon vom Ministerium für Wirtschaftswissenschaften Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft bekommen, woo hoo.🙂

Ab heute bin ich ein erklärter Fan von Science Slams. Was das ist, ist leicht erklärt – das Konzept ähnelt den bekannteren Poetry Slams: Nachwuchsforscher erklären in sechs Minuten einfach, humorvoll und wissenschaftlich korrekt, aber ohne Power-Points und fachchinesisches Bullshit-Bingo, ihr Forschungsprojekt. Das hat ein bisserl was von LolMyThesis, und von der Maxime meines Mentors (“Wenn du dein Forschungsvorhaben nicht deiner Großmutter und einem Kindergartenkind erklären kannst, machst du was falsch!”), und es ist richtig unterhaltsam und informativ. Der Saal war rappelvoll und die Menge hat getobt. Dieser Slam war das Österreich-Finale mit den Siegern aus Wien, Graz und Innsbruck, aufgetreten sind ein Chemiker, eine Evolutionsbiologin, eine Lebensmitteltechnikerin (?) und ein Molekularbiologe – letzterer hat im Fruchtfliegenkostüm mit einem Vortrag über seine Krebsforschung verdient gewonnen. Nachdem ich die Idee genial aber die Umsetzung etwas sehr naturwissenschaftslastig finde, bin ich gerade schwer am Überlegen, demnächst selbst unter die Slammer zu gehen und die Geisteswissenschaften würdig zu blamieren vertreten… mal sehen.🙂

Da der Lieblingsmensch nur mal kurz die Welt retten arbeiten musste und die beste aller Freundinnen keine Zeit hatte, war ich alleine unterwegs und rückblickend ganz froh darüber, denn ich hätte mit beiden über die Abendgestaltung im Angesicht der riesigen Auswahl an Themenbereichen streiten müssen – ein Mediziner mit einer Vorliebe für Raumfahrt und Militärgeschichte, eine studierte Bäuerin mit Nachhaltigkeits-Tick und Nebenerwerbsaltphilologin, eine eklektische Geisteswissenschaftlerin mit Hang zum Schöngeistigen und zu Dinosauriern, wir hätten uns bei aller Liebe erschlagen.😉 Ganz allein konnte ich die Egoistin raushängen lassen: meine Interessen, meine Prioritäten, mein Tempo, meine Nacht. Herrlich!

Die lange Nacht war leider viel zu kurz, ich hätte so gerne noch viel mehr gesehen. Gerade “wir Wissenschaftler” sitzen ja ganz gerne in unseren Nischen und auf unseren ganz persönlichen Elfenbeintürmen und vergessen die Welt um uns herum. Die Lange Nacht der Forschung war ein schöner Anlass, mal den eigenen Horizont zu erweitern und über Dinge zu staunen, über die man nichts weiß.🙂

Schade, dass die nächste erst wieder in zwei Jahren stattfinden wird… bis dahin sind hoffentlich die organisatorischen Schwierigkeiten auch behoben, denn Forschung lebt ja davon aus seinen Fehlern zu lernen.😉

2 thoughts on “Sachen machen: Lange Nacht der Forschung

...and thanks for all the fish!

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