Das Buch zum Film … oder so?

Mein Verhältnis zu Literaturverfilmungen ist, gelinde gesagt, gespalten. Die meisten regen mich einfach nur auf, vor allem wenn sie Büchern, die ich liebe, so absolut nicht gerecht werden – John Irvings Gottes Werk und Teufels Beitrag und Isabel Allendes Geisterhaus, beide gleichermaßen grandios, aber die Filme sind zum Krenreiben und verstümmeln vielschichtige, gesellschaftspolitisch relevante Weltliteratur zu seichten Hollywood-Schnulzen (letzteren konnte nicht einmal Meryl Streep retten, und das soll was heißen). Für andere bin ich wirklich dankbar, ich denke da vor allem an Umberto Ecos Der Name der Rose, das so monströs episch ist, dass ich beim Lesen frustriert gescheitert bin und erst nach dem Film das Buch wirklich kapiert (und endlich fertiggelesen) habe. Und manchmal lache ich einfach nur schallend und verächtlich über den Wahn der Literaturverfilmungen, vor allem als ich irgendwann kurz nach dem Anlaufen des Films einen glitzernden Sticker “Jetzt neu! Das Buch zum Film!” auf Patrick Süskinds Parfum prangen sah.😀

Aber da ich grundsätzlich meinungsflexibel bin, möchte ich mich in diesem Post dennoch mit Literaturverfilmungen auseinandersetzen – aus aktuellem Anlass, denn schließlich ist die neue Game of Thrones-Staffel angelaufen (endlich!) und der zweite Teil vom Hobbit ist auf BluRay erschienen. Zeit, meine Meinung zu Literaturverfilmungen zu überdenken.

Dank dem Lieblingsmenschen, von dem ich annehme dass er insgeheim ein Hobbit ist, haben wir ja einen ganz fantastischen Riesenfernseher, der mich immer noch überfordert, mit 3D-Brillen (“wär’s nicht klass wenn die ganze Welt in 3D wär’?”) und allem was dazugehört. Und jetzt haben wir auch den Hobbit: Desolation of Smaug auf BluRay. Tschakaaa! Ich will nicht sagen, dass es mir nicht gefallen hätte, hat es mir nämlich … irgendwie. Seltsam ist es trotzdem.

Als Kind habe ich den Hobbit geliebt, aber seither nicht mehr gelesen, meine Erinnerungen sind teilweise sehr intensiv und größtenteils nur mehr vage. Es ist phänomenal, wie man aus einem Kinderbuch von um die hundert Seiten eine monströse Trilogie wie diesen Film machen kann, wirklich. Ich bewundere Peter Jackson und sein Werk, aber hier schießt er völlig über’s Ziel hinaus. Die Herr der Ringe-Trilogie wurde ja recht oft kritisiert, weil (zu?) viel gekürzt, ausgelassen, vereinfacht und zusammengestaucht wurde – kein Wunder, wenn man versucht ein Epos von über 1,500 Seiten in etwa neun Stunden Film unterzubringen. Der Hobbit ist das andere Extrem, um die Literaturvorlage auf eine Trilogie aufzublasen muss man kreativ werden, Kleinigkeiten und winzige Nebenhandlungen enorm in die Länge und Breite ziehen (wie beispielsweise den Kampf mit den Spinnenviechern … davor habe ich mich schon mit neun gefürchtet, das hätte ich wirklich nicht so detailliert sehen müssen), und sich seeehr weit von der Vorlage entfernen und noch etliches dazudichten (wie diese ganze Geschichte mit der zauberhaft schönen Elbenfrau, die sich nicht sicher ist, ob sie jetzt in Legolas oder in einen der Zwerge – den hübschesten natürlich, nicht den mit der Knollennase, Klischee olé, das ist schließlich Hollywood! – verliebt ist, da dachte ich mir nur war das jetzt wirklich nötig?!). Ich mag den Film (außer Smaug … aber das ist ein anderes Thema, als Kind hab’ ich mich so gegruselt vor meiner Vorstellung von Smaug, und die sah nicht aus wie frisch aus Drachenzähmen leichtgemacht entlaufen und sprach auch nicht mit Cumberbatchs Lulustimme, jetzt ist meine Phantasie kaputt und ich bin traurig), aber irgendwie ist er nicht wirklich Tolkien, sondern sehr elaborierte Hobbit-Fanfiction in Filmform…

Um beim Thema Drachen zu bleiben, gehe ich jetzt über auf meine zweite Literaturverfilmungs-Obsession der letzten Zeit: Game of Thrones bzw. A Song of Ice and Fire, die allerdings mit der Serie begonnen hat und ohne die Bücher vorher gekannt zu haben. Es ist an der Zeit, ein einigermaßen peinliches Geständnis zu machen: ich bin am Zenit des Herr der Ringe-Hypes aufgewachsen und war trotzdem nie ein großer Fan von High Fantasy, als Teenager war ich ein bibliophiler Snob und als ich die Bücher im Geschäft liegen sah dachte ich mir nur kopfschüttelnd: “Schon wieder so ein mieser und uninspirierter Möchtegern-J.R.R.Tolkien-Abklatsch. Muss ja ein armseliger Trottel sein, wenn er sich sogar G.R.R. nennt…” *pfeif* Und jetzt dürft Ihr gerne über mich urteilen…😉 Inzwischen habe ich meine Meinung revidiert und bin glücklich darüber, denn an dem popkulturellen Phänomen Game of Thrones kann man inzwischen echt nicht mehr vorbei gehen – und ich will es auch nicht, dafür ist es einfach viel zu genial.

Kurz nachdem ich begonnen habe, die Serie zu süchteln schauen, habe ich mir auch das erste der Bücher zugelegt, denn schließlich mag ich Literaturverfilmungen ja eigentlich gar nicht und musste unbedingt den Vergleich haben. Das erste Buch habe ich parallel zur ersten Staffel gelesen und war begeistert; sicher, ein paar Unterschiede gibt es immer, aber überraschenderweise gefielen mit Buch und Serie annähernd gleich gut, auch wenn der Vergleich durch die sehr unterschiedlichen Erzählweisen schwierig ist, sie komplementieren sich. Nach zweieinhalb Büchern und vier Staffeln habe ich mich jetzt allerdings dazu entschieden, nicht mehr “parallel” weiterzulesen… die Serie und die Bücher entfernen sich immer stärker voneinander, und ich möchte mir nicht mein eigenes Lese- und/oder Fernsehvergnügen damit verderben, dass ich einer dieser lahmen “mimimimimi aber im Buuuch war das aber so-und-so”-Raunzer werde, zu denen ich mich sonst so gerne zähle. Also konzentriere ich mich erst mal auf die Serie, genieße sie voll und ganz, und irgendwann wenn ich dann wieder auf Serienentzug bin, werde ich in einem Schwung weiterlesen. Ich denke, das ist ein ganz guter Kompromiss.

Und was ist mit Euch, liebe Leserlein? Wie steht Ihr zu Literaturverfilmungen? Ich freu’ mich auf Eure Ansichten!

5 thoughts on “Das Buch zum Film … oder so?

  1. Hallo,
    mir geht es ähnlich wie dir, Literaturverfilmungen gegenüber bin ich prinzipiell immer erst einmal skeptisch, weil ich nur wenige Ausnahmefälle kenne, die der Vorlage treu geblieben sind.
    Bei der Verfilmung der “Bücherdiebin” bin ich beispielsweise so skeptisch, dass der Film auch nur annähernd an das Buch herankommt, dass ich sie trotz Neugierde nicht anschauen mag.
    Eine ganz furchtbare Verfilmung vor mehreren Jahren war “Queen of the Damned”. War “Interview mit einem Vampir” noch richtig stilvoll und toll besetzt, war “Queen of the Damned” einfach nur lächerlich und ich habe im Kino mehrfach genervt aufgestöhnt, weil sie sehr sehr viel geändert haben, teilweise auch sehr unpassend.
    Im Vergleich dazu gibt es aber auch ganz wunderbare Literaturverfilmungen wie “Der Herr der Ringe” oder “Das Orangenmädchen”.
    Wie gesagt, ich bin da auch schwer hin- und hergerissen.

    1. Über die Bücherdiebin hatten wir ja neulich erst gesprochen … da bin ich auch sehr skeptisch, eigentlich halte ich sie für unverfilmbar (vor allem durch die Narrative … wie verfilmt man den personifizierten Tod, ohne dabei mit Sensenmannkostüm ins Alberne abzugleiten?!) und mag mir das Buch nicht rückwirkend durch den Film verderben. Weiß nicht, vielleicht entgeht uns ja was?:/ Und: das Orangenmädchen ist gut, sagst Du? Dann muss ich mir das mal anschauen, weil das Buch mochte ich auch sehr gern!

  2. Schöner Beitrag🙂 Ich mochte ja die bisherigen Hobbit-Verfilmungen, auch wenn ich beide etwas zu lang finde und mich noch immer frage, wie um alles in der Welt man aus diesem dünnen Büchlein drei Filme fabrizieren kann. Aber gut – wir haben es hier mit Peter Jackson zu tun. Der kann das. Erstaunlicherweise wird es nicht langweilig; auf die Liebesgeschichte hätte ich allerdings verzichten können, und dass Evangeline Lilly mitspielt, hat bei mir nur den Effekt “Ooooooh, Freckles!!!” ausgelöst *g*
    Game of Thrones ist großartig umgesetzt – ich hab alle Bücher gelesen und bin für die Kürzungen echt dankbar. Ich hab mir auch schon lange abgewöhnt, das Buch mit dem Film zu vergleichen, weil mir irgendwann klar geworden ist, dass das zwei unterschiedliche Medien mit eigenen Gesetzgebungen sind. Es gibt allerdings Literaturverfilmungen, die zum Speiben sind – Queen of the Damned, von frauvonsaltkrokan genannt, ist ein sehr, sehr gutes Beispiel. Stuart Townsend taugt null als Lestat, schaut permanent bescheuert aus und nervt. Das Tragische dabei ist – Tom Cruise war ein besserer Vampir!! Wer hätte das gedacht?

...and thanks for all the fish!

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