Sachen machen: Karikaturmuseum Krems

Auf den ersten Blick skurrile Museen gehören zu den Lieblingsdestinationen von mir und dem Lieblingsmenschen – absolutes Highlight bis jetzt ist das Museum of Broken Relationships im wunderbaren Zagreb. Und erst kürzlich sind wir draufgekommen, dass wir die halbe Welt ziemlich gut kennen aber das Land dessen Reisepass wir beide besitzen so gut wie gar nicht. Also wollen wir die nächsten paar Monate (bis ich wieder woanders bin, wo’s schöner ist) damit verbringen, eklatante Bildungslücken zu stopfen und Österreich etwas besser kennen zu lernen.

Gesagt, getan. Heute waren wir in Krems an der Donau (etwa anderthalb Stunden von Wien entfernt in der Wein&Weltkulturerberegion Wachau) im Karikaturmuseum – ein Ausflug, der sich durchaus gelohnt hat, und nicht nur weil es danach Kuchen bei der ortsansässigen Familie gab. Das Museum ist ein Kleinod, das vom Lokalkolorit der hierher ausgewanderten oder zweitwohnsitzenden grünhungrigen Bildungsbürger getragen wird statt von der lebendigen Kunstszene einer pulsierenden Metropole, die Krems nicht ist. Das ist zumindest mein erster Eindruck, aber ich bin auch ein Stadtkind, dem Wien oft noch zu eng ist … aber trotzdem hat es mir hier gefallen😉

Satire muss einem halt liegen und ein bisserl Allgemeinbildung schadet auch nicht, wenn man das Museum wirklich in vollen Zügen genießen möchte und die Ausstellung auch verstehen anstatt nur “Bilder anschauen” zu gehen. Das Museum bietet mehrere themenspezifische Bereiche und temporäre Ausstellungen – eine beschäftigt sich mit dem Frieden und dem oft erschreckend zynisch eingesetzten Symbol der Friedenstaube in der politischen Karikatur, eine andere mit dem Werk des legendären Manfred Deix, die dritte mit Krimis. Es ist also für jeden Geschmack was dabei.

Ich muss ja gestehen, ich liebe Deix – die feinsinnigeren Karikaturen mit tagespolitischem Bezug etwas mehr noch als den pornös-gesellschaftskritischen Fäkalhumor, der dem homo sapiens austriacus mit dem Vorschlaghammer den Spiegel vorhält. Diese Sonderausstellung war also mein Favorit, wenn man allerdings Deix nicht mag (er polarisiert stark und seine Ästhetik bzw. das Fehlen derselben ist sicher nicht jedermanns Sache…) oder als unbedarfter Tourist kommt und keine Ahnung hat was in Österreich so passiert (oder man ein typischer gelernter Österreicher ist, der aus Prinzip keine Ahnung von irgendwas hat und dem außerdem eh alles wurscht ist…), wird man wohl weniger Spaß daran haben.

Die Krimi-Ausstellung ist mit Abstand die Größte, von Nick Knatterton über Kästners Kinderbuchklassiker “Emil und die Detektive” und dessen Graphic-Novel-Adaption von Isabel Kreitz bis hin zum österreichischen Kult-Ermittler Kottan ist echt für jeden Geschmack etwas dabei. Der Lieblingsmensch, seine Schwiegermutter und sein Schwager mochten den am Liebsten – ich hingegen kann mit Krimis eher wenig anfangen (hab’ nur eine oder zwei Kottan-Folgen gesehen, ist das Grund genug mir die Staatsbürgerschaft zu entziehen?) und war dementsprechend weniger angetan, auch wenn die Ausstellung und ihre Exponate interessant aufbereitet waren. Ich persönlich hätte mir einen größeren Schwerpunkt auf gesellschaftskritischen, politischen Karikaturen gewünscht – der Zusammenhang zwischen Krimis, Comics und Karikaturen (wenn auch jedes für sich eine ernstzunehmende Kunstform ist) erschließt sich mir nämlich nicht ganz.

Wenn man also zufällig mal in Krems sein sollte (ein wirklich süßes kleines Örtchen, das durchaus einen Sonntagsausflug wert ist!), dann lohnt sich ein Abstecher ganz sicher! Viel mehr gibt’s dort nämlich eh nicht zu tun, abgesehen vom Spazierengehen an der Donau und vom Kuchenfressen beim Tantenvolk natürlich😉

Eckdaten:

  • 3500 Krems, Steiner Landstraße 3A – von der S33 Abfahrt “Krems Zentrum” nehmen und der Beschilderung Richtung “Kunstmeile” folgen.
  • Eintrittspreis €10,- für Erwachsene, €9,- für Studierende (etwas happig, wie ich finde – wenn man mehr Zeit hat lohnt sich eventuell das Kombiticket mit dem zweiten Museum “Kremser Kunstmeile” um €15,- eher?!)
  • Öffnungszeiten und alles weitere siehe Webseite.

 

...and thanks for all the fish!

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