Geht weg mit eurer Herzscheiße…

(Der Titel dieses Artikels bezieht sich natürlich auf die Herzscheiße des großartigen Funny van Dannen. Wenn man’s nicht kennt und lachen will, sollte man unbedingt ‘reinhören.😀 )

Schon klar, es ist schwer eine Geschichte ohne Drama und Konflikte und Herzscheiße im Allgemeinen zu erzählen, vor allem wenn es eigentlich um epische Weltraumschlachten und die Rettung der Menschheit und vergleichbar monumentale Themen die man viel zu ernst nehmen muss geht. Und keine Frage, happily ever after und vergleichbare Klischees ziehen halt in seichtschnulzigen Komödien und Sitcoms besser, und wenn es schon um Herzscheiße gehen muss um die armen ahnungslosen Mädchen zu unterhalten, die ihren Männern zuliebe artig mitglotzen und sich vor lauter Raumschiffen schon fadisieren, dann nimmt man doch lieber das Alien der Woche, das praktischerweise in der nächsten Folge schon verschwunden ist, für Geplänkel und Matratzensport herhalten, sodass man sich nicht weiter damit befassen muss. Oder aber, man verrennt sich in übermäßige Dramatik, gebrochene Herzen, sagenhafte Arschlöcher, unresolved sexual tension, teenagerhaft lächerliches Ja-Nein-Vielleicht-Weißnicht-Hab’Angst-Getue, unfreiwillige Königskinder (“…und sie konnten zusammen nicht kommen…” – that’s what she said😉 ), und was die Klischeekiste sonst noch hergibt, und gerade wenn man glaubt es wird was und da geht was wird’s doch wieder kolossal vergeigt. Ist leichter und ist lustiger, ja? Ist auch eindimensionaler und langweiliger.

Kurz und gut: stabile und respektvolle Liebesbeziehungen sind leider in der Science Fiction (zumindest in “meinen Fandoms”) ziemlich unterrepräsentiert. Ich frage mich, warum das so ist.

Liegt es daran, dass alle SciFi-Serien-Machatscheks dem Klischee der realitätsfremden, pickeligen und unsicheren Nerdbuben, die auf einer präpubeszenten “Mädchen sind wäääääähhh!!!”-Entwicklungsstufe steckengeblieben sind, entsprechen? Liegt es daran, dass alle SciFi-Serien-Machatscheks derart in der gegenwärtigen testosterongetränkten, sexistischen Macho-Kultur feststecken, dass sie Frauen* nur als stereotype, nebensächliche (Sex-)Objekte wahrnehmen und darstellen können – schließlich kriegt Captain Kirk immer das Mädchen, während Captain Janeway als eiserne Jungfrau dargestellt wird? Liegt es daran, dass alle SciFi-Serien-Machatscheks so verhaftet in diesem fragwürdigen Jugendkult der stets unverbindlichen und ach so spaßzentrierten amerikanischen Dating-Kultur sind, dass Personen die verheiratet oder in einer dauerhaften, ernsthaften Beziehung sind, per se als langweilig oder gar spießbürgerlich wahrgenommen werden? Ich hoffe nicht…

Der Held kriegt das Mädchen, es folgt der Abspann… *gähn* Danke nein, bitte nicht schon wieder. Es ist an der Zeit, dass die SciFi-Serien-Machatscheks erkennen, dass eine Beziehung nicht das Ende eines Charakters ist, sondern ein neuer Beginn. Kurz und gut, es ist einfach ein ganz wichtiger Teil des Lebens und Beziehungen können auch dann noch spannende Geschichten erzählen wenn die erste Verknalltheit abgeflaut ist, ohne in konservative Klischees abzudriften.

Ich habe lange darüber nachdenken müssen und bin tragischerweise nicht auf zehn gleichermaßen stabile wie interessante Langzeit-Paare in all meinen Fandoms gekommen… Deswegen gibt’s hier nur eine Liste der besten fünf:

Star Trek Deep Space 9: Worf & Jadzia Dax

Zwei klingonische Herzen, die ganz große Liebe – und das sage ich nicht nur, weil die Protagonisten zufällig meine beiden Lieblingscharaktere sind. Worf und Jadzia sind zwei eigenständige und erfolgreiche Erwachsene, die zueinander finden und zueinander stehen, weil sie sich bewusst füreinander entschieden haben. Gerade, dass sie so verschiedene Persönlichkeiten haben und eigentlich gar kein perfektes Paar sind macht sie so realistisch – unvergessen sind für mich die Szenen, in denen Worf der große und immer dienstbeflissene Krieger eigenmächtig seine Mission abbricht um Jadzias Leben zu retten (“You come first – before career, before duty, before anything. I do not regret what I did; and I would do it again.”), und in denen Jadzia widerwillig aber doch durch alle Rituale kämpft als ihre Schwiegermutter unmöglich ist und die Hochzeit platzen lassen will und sie erkennt, dass nur in dem Moment ihre Liebe wichtiger ist als ihr gekränktes Ego (“It’s time to grow up.”). Und nichts, nichts, nichts ist so ungerecht und grausam wie Jadzias Tod und die ganze Sache mit Ezri – als stünde irgendwo in der Star Trek Bibel geschrieben, dass Worf niemalsnie glücklich werden darf…

Firefly: Zoë & Wash

Quelle: http://notabadday.tumblr.com/

Zoë ist badass, und zwar so richtig. Wash ist irgendwie eher der nette Junge von nebenan, dem es nicht zu albern ist mit Plastikdinosauriern zu spielen. Sie konterkarieren die klassische Männlein-Weiblein-Rollenverteilung in jeder Hinsicht und sie sind absolut loyal zu- und ziemlich verliebt ineinander (“madly in love with a beautiful woman who can kill me with her pinky”). Dass auch sie mit den ganz normalen Problemen langjähriger Paare zu kämpfen haben – z.B. ist Wash hin und wieder fürchterlich eifersüchtig auf Captain Mal, Zoës alten Kumpel und Waffenbruder – macht sie umso realer und liebenswerter. Besonders angenehm finde ich, vor allem in einem futuristischen Setting das eben nicht im XX./XXI. Jahrhundert und seinen Wertvorstellungen festgefahren ist, dass sie ihre Unterschiede nicht immer hervorkehren müssen sondern einfach ganz normal damit umgehen – weder um die Tatsache, dass Zoë in ihrer Beziehung “die Hosen anhat” und wesentlich tougher und fescher als Wash ist noch darum, dass sie ein interracial couple sind, wird ein großes Tamtam gemacht. Interessantes Detail am Rande, ursprünglich hat Fox ein Ehepaar als Hauptcharaktere abgelehnt, aber Joss Whedon hat darauf bestanden, weil er Zoë und Washs Ehe als besonders wichtig für die Geschichte empfand (siehe Serenity: Official Visual Companion). Danke dafür, Joss Whedon!

Star Trek Voyager: Tom Paris & B’Elanna Torres

Es begann als Klischee, das klischeehafter gar nicht geht. Zuerst waren sie absolute Antagonisten, dann haben sie sich zusammengerauft, und erst als sie beide dem Tode nahe waren konnten sie sich ihre Gefühle füreinander eingestehen, und natürlich wurden sie gerettet und konnten heiraten und Kinder kriegen. Und auch wenn das brechreizerregend konservativ klingt, ist ihre Beziehung in gerade deswegen bahnbrechend: Wenn mich nicht alles täuscht, haben die zwei den Rekord für die langjährigste und beständigste Beziehung im Trek-Universum aufgestellt. “Wir beide gegen den Rest der Welt des Deltaquadranten” scheint ihr Motto zu sein, und ihre Beziehung ist ein großer Teil ihrer Charakterentwicklung von jungen Rebellen zu verantwortungsbewussten Erwachsenen während der sieben Jahre im Deltaquadranten, sie scheinen aneinander zu wachsen und voneinander zu lernen, und vor allem geben sie sich gegenseitig Selbstvertrauen und eine Heimat, die ihnen vorher gefehlt hat (“Don’t you want to find a way home?” – “I am home, Harry!”).

Torchwood: Captain Jack Harkness & Ianto Jones

Ja, das mag überraschend sein wenn man Captain Jack nur als promiskuitiven Hallodri aus Doctor Who kennt, aber Jack und Ianto gehören definitiv auf diese Liste. Auch diese Beziehung hat als pures Klischee begonnen, vielleicht sogar das älteste überhaupt: der Boss und die Sekretärin (“that’s harassment, sir!”). Vielleicht ist es die größte Stärke dieser Beziehung, dass sie sich abgesehen von den üblichen saukomischen Zweideutigkeiten ganz subtil und meist sogar “off-screen” entwickelt ohne endlos diskutiert und demonstriert werden zu müssen (ganz anders als Gwen und Rhys, die einem genau deswegen schon nach drei Minuten fürchterlich auf die Nerven gehen) und dann, wenn es drauf ankommt, ist es einfach da – und das macht ihre romantischen Momente (“I’ve seen things I never dreamt I’d see, loved people I never would have known […] And I wouldn’t change that for the world.”) umso intensiver. Sie betonen oft, dass sie “kein Paar” sind, aber können doch irgendwie nicht ohne einander. Sie bleiben sich nichts schuldig, haben beide ihre grausamen dunklen Seiten, trotzen gemeinsam unglaublichen Verlusten (Canary Wharf und Lisa für Ianto, The Year That Never Was für Jack), man merkt bald, dass sie füreinander genau das sind was der jeweils andere nicht ist, und sie stehen Seite an Seite bis zum bitteren Ende. Ich hab’ so geweint.

Star Wars: Han Solo & Leia Organa

Muss man mehr sagen als “I love you.” – “I know.” … nein, muss man nicht.

Bitte mehr davon!

Und was sagt Ihr, liebe Leserlein? Wer sind Eure Lieblings-“Pairings” (boah, ich hasse das Wort “Pairings”!), welche Beziehungen sind – abgesehen von Romantik und Herzschmerz und Achdumeinegütewiesüüüß – Eurer Meinung nach die Besten?

...and thanks for all the fish!

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