Monthly Archives: May 2014

Rezension: Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele (1)

Ich hab’s ja grundsätzlich nicht so mit Hypes, aber der Lieblingsmensch wollte vor einiger Zeit unbedingt den Film schauen. Also haben wir den Film geschaut und ich fand ihn ziemlich, ziemlich gut – und das nicht nur wegen der unglaublich talentierten und mindestens ebenso unglaublich scharfen Jennifer Lawrence. 😉 Nun stehe ich Literaturverfilmungen grundsätzlich eher skeptisch gegenüber, aber ich liebe und achte gut geschriebene Jugendliteratur, also musste ich die Bücher einfach haben, just because. Und was bietet sich besser an als ein verregneter Feiertag (Mariä Schulfrei, oder was auch immer das diesmal war …) um ihn gemütlich mit Jennifer Lawrence Katniss und Katze im Bett zu verbringen?

Die Grundidee, die hinter Panem steckt, finde ich faszinierend und beängstigend gleichzeitig. Dieses dystopische, postapokalyptische Land voller Härte und Segregation und extremem sozialem Ungleichgewicht, das unfassbare Gräueltaten nicht nur billigt sondern auch zum Gaudium der Massen (panem et circenses, Brot und Spiele, der Titel kommt nicht von ungefähr) auf Staatskosten austrägt und mit Moral wegzuargumentieren versucht – wow. Irgendwie fühlte ich mich immer und immer wieder an Die Welle von Morton Rhue erinnert (das war das mit dem Nazi-Experiment in einer Schulklasse, es ist recht verbreitet als Schullektüre soweit ich weiß), nur mit dem Unterschied, dass Panem keinen realen Hintergrund hat … aber es fällt nicht schwer sich vorzustellen, dass irgendwann bald alles so kommen könnte. Sind die Menschen wirklich so?

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Fanfictionfreitag: vom Schreiben!

Eigentlich wollte ich heute wieder etwas total Substantielles posten, aber ich komme aufgrund eines akuten Schreibflashs einfach nicht dazu. Deshalb gibt’s nur ein paar schlaue Worte zur Inspiration, und die sind nicht von mir sondern vom wunderbaren Joss Whedon:

Und er hat wahr! So viel wahr! Es ist Herrlichkeit und zum Heulen gleichzeitig.

Gefunden habe ich dieses Zitat übrigens in Anne Jamisons Buch Fic. Why Fanfiction Is Taking Over The World. Meine Rezension dazu folgt nächste Woche … versprochen. Es sei denn, der Schreibflash und die zugehörigen Kapriolen der “Kinder” meiner “Kunst” machen mir einen Strich durch die Rechnung. 😉

Montagsfrage: Im Original lesen?

Nina von LiBROMANIE stellt auch heute wieder die traditionelle Montagsfrage, und diesmal ist die Frage beinahe perfekt für mich, mir ist noch selten eine Antwort leichter gefallen:

Gibt es Autoren, die du lieber im Original liest?

Ja klar, nämlich alle die ich problemlos im Original lesen kann. Ich habe das Glück, vier Sprachen (Englisch, Deutsch, Katalanisch und Spanisch) einigermaßen fließend zu beherrschen und ich lese in allen vier Sprachen gleichermaßen gerne, auch wenn ich in allen vier Sprachen hin und wieder einen Babelfisch ein Wörterbuch benötige. Und in jeder Sprache bin ich ein gänzlich anderer Mensch, ein gänzlich anderer Leser, mit einem gänzlich anderen (Sprach-)Empfinden und einer gänzlich anderen Mentalität. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden …

Wittgenstein sagte einmal sehr weise: “Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt.” – und auch wenn ich dem voll und ganz zustimme, ist es bei Büchern etwas anders … schließlich kann ein Buch ein kleines Guckloch in eine Welt, die ich nicht kenne und nicht bereisen kann, sein. Und wenn ich beschließe, dass mir das, was ich durch das Guckloch erkennen kann, gefällt, dann kann ich immer noch voll Motivation beginnen die Mauern einzureißen und die Grenzen meiner Welt zu überwinden.

Bei Büchern bzw. Autoren, die in anderen Sprachen schreiben verlasse ich mich sehr gerne auf einen Babelfisch eine gute Übersetzung. Ich habe schon so oft selbstgefällige Predigten von selbsternannten kulturbeflissenen Weltbürgern gehört, dass nur das Original wahres Lesevergnügen und ein tiefgehendes Verständnis für den Autor und sein Werk bieten kann … aber hey, was soll das? Die Welt der Literatur ist groß und es wäre schade, ein gutes Buch nicht lesen zu können nur weil ich die Sprache nicht kann; und auch wenn ich definitiv zu der Sorte von Freak gehöre, die “Kundera im Original lesen können” als Grund fürs Tschechischlernen nennen, möchte ich nicht nicht Kundera lesen können bis ich irgendwann in ferner Zukunft gut genug Tschechisch kann um Kundera lesen zu können (ich kann schon Speisekarten lesen, aber Rom Prag wurde auch nicht an einem Tag erbaut…); und auch wenn Camus und Simone de Beauvoir im Original ganz bestimmt Nuancen haben die in der Übersetzung flöten gehen ist wirklich nichts so unübersetzbar, dass ich es nicht in der Übersetzung trotzdem besser verstehe als mit meinem frustrierend mickrigen Maturafranzösisch von vor zig Jahren.

Manchmal lese ich doch Übersetzungen von Büchern aus einer Sprache die ich kann in eine andere Sprache die ich kann – meist aus rein praktischen bzw. logistischen Gründen, oder einfach nur aus Spaß an der Freude. Ich bin extrem sensibel was schlechte Übersetzungen angeht, das kann mir zuweilen das Lesevergnügen total verderben (siehe z.B hier). Aber auch bei guten Übersetzungen ertappe ich mich oft, dass ich bei manchen Passagen (vorzugsweise bei besonders schönen) inne halte und darüber nachdenke, wie das wohl im Original formuliert wurde … nur um dann meist erst recht das Original zu beschaffen, um mich zu vergewissern, ob ich recht hatte oder nicht. 😉

Das Einzige, was ich niemalsnie in irgendeiner Übersetzung lesen kann und will ist Lyrik. Das ist für mich eine Kunstform für sich, die einfach aus stilistischen Gründen unübersetzbar ist und bleibt, weil sie meist in einer Sprache und für eine Sprache geschrieben wurde, mit einer Melodie und einem Rhythmus der unweigerlich verloren geht, auch wenn die Wörter übereinstimmen. Hab’ Bachmann auf Englisch, Neruda und Auden auf Deutsch und Salvat-Papasseit auf Spanisch zu lesen versucht und musste jedes Mal fast weinen … :/

Hm, vielleicht sollte ich mein Studium der angewandten Babelfischologie doch noch irgendwann fertig bringen? Oder versuchen, Hamlet im klingonischen Original zu lesen? 🙂

Meine Situation ist wohl nicht unbedingt die Norm … aber hey, lasst euch eins gesagt sein: Einsprachigkeit ist heilbar! 😉

Der Doktor und Professor Song auf der Uni …

Ein Fundstück, das ich Euch einfach nicht vorenthalten kann – Häuslpoesie der allerersten Geek-Güte nämlich:

Da geht man nichtsahnend auf der Uni aufs Klo und stellt fest, dass der Doktor und River Song vor einem da waren. Da denkt man sich, wie viel lässiger die Uni eigentlich wäre, wenn man Professor Song als Dozentin hätte (wollte ich je die Archäologie der fernen Zukunft studieren? – ja, ich denke schon, gibt’s das als Wahlfach?). Da freut man sich über ein kurzes Lächeln an einem langen Bibliothekstag.

🙂

Der Geek und das Fernsehprogramm …

Mit Kopfweh auf der Couch vermodern und seit Ewigkeiten einmal wieder durchs “richtige Fernsehprogramm” (eigentlich haben wir den Fernseheranschluss ja nur, weil der Paketpreis mit Internet und Telefon billiger war…) zappen und irgendwo hängenbleiben, wo man lieber nicht hängen bleiben sollte – Kochsendungen und Vollprollvoyeurismus, hauptsächlich – und sich nur eins denken:


via Facebook: The Geek Strikes Back.

😉

Montagsfrage: Plus oder Minus?

Nina von LiBROMANIE fragt heute:

Plus oder Minus? Habt Ihr Euren SuB (“Stapel ungelesener Bücher”, Anm.) seit Anfang des Jahres abbauen können oder ist er gestiegen?

Um ehrlich zu sein: keine Ahnung, ich habe zwar einen Stapel ungelesener Bücher aber ich führe nicht Buch darüber. Auch wenn ich damit ein absoluter Exot in der Welt der Lesenden und vor allem der Buchblogger sein dürfte, bin ich kein Statistikenneurotiker und kein Listenfetischist. Nichts für ungut, aber ich mag mein “kreatives Chaos” lieber – penible Organisation von Dingen die nicht zwingend organisiert werden müssen ist mir zuwider, irgendwo selbstzufriedene Hackerln zu machen gibt mir keinen Kick und die Zeit die ich mit dem eitlen Katalogisieren meiner Bücher verplempern würde, verbringe ich lieber mit etwas Sinnvollem: nämlich damit, diese Bücher zu lesen – dann habe ich nämlich das “Problem SuB” auch nicht in dem Ausmaß, in dem sich manche anderen darüber beschweren … 😉

Ich lese was ich lese, ich kaufe die Bücher die ich lesen möchte (bin – abgesehen von Fachliteratur – absolut kein Bibliotheksmensch) und gebe die Bücher weg die ich nicht mehr lesen oder behalten möchte. Mal mehr und mal weniger, je nach Lust, Laune, Zeit, Ruhe und vor allem: Ferien. Ich denke viel darüber nach, was ich noch lesen möchte und welche Bücher ich als nächstes anschaffen möchte, vor allem weil ich in letzter Zeit immer mehr versuche, bewusst und nachhaltig zu konsumieren und nicht (mehr) in unnötige Kaufräusche, frustranes Frustshopping (und ja, Frustshopping bedeutet für mich: Buchhandlung!) und Kommerzscheiße im Allgemeinen zu verfallen. Aber ich mache mir dabei keinen Stress, keinen Druck und vor allem: kein schlechtes Gewissen. Wozu auch?! 🙂

Soweit von mir – was ist mit Euch und Euren ungelesenen Bücherstapeln, liebe Leserlein?

Die Macht der Science-Fiction

Gerade eben bin ich zufällig über ein Interview mit Alexander Siddig (Dr. Julian Bashir aus Star Trek: Deep Space Nine) gestolpert, und seine Antwort auf eine der Fragen hat mich sehr nachdenklich gemacht – vor allem in Hinblick auf die Kritik der Oberflächlichkeit, die den neuesten Filmen der Star-Trek-Franchise (völlig zu Recht, meiner Meinung nach!) angelastet wird.

Question: Why do you think science fiction is always ahead of the curve, in terms of dealing with things without skin-deep judgments?

Siddig: Yeah. Well, the power of allegory. Abstraction can take the most harrowing, complicated real-life situation and say, “But this is actually just two grapes talking and they’re talking to a weird sunflower.” They’ve abstracted the humanity out of it and transplanted it into something else that is much more comfortable.  Much easier to cope with and gives the writer enormous freedom. I mean, you can do really dark, full-on stuff and take it so far away, to a spaceship somewhere miles and miles away on a funny little planet where the creatures are barely recognizable. That and the fact that they work with massive archetypes that we can’t really work with. Only Batman movies can work with those. […] THAT’s the power of sci-fi. I love sci-fi, computer games. I love any escapes.  Give me them all.  I’ll take all of them and, yeah, I think that’s the strength of that genre.

Verdammt, der Mann hat Recht. Das ganze Interview (hauptsächlich über seinen – nicht mehr ganz so – neuen und ebenso großartigen Film “Cairo Time”) gibt’s hier zu lesen.

Fanfictionfreitag: Boldly Writing

Wenn mir wirklich langweilig ist – meistens so gegen drei Uhr früh und irgendwo zwischen müde und blöd – lese ich Papers und / oder verlaufe mich in der Wikipedia. Kürzlich habe ich einen wirklich interessanten Fund dabei gemacht:

Verba, Joan M.: Boldly Writing. A Trekker Fan and Zine History, 1967-1987. FTL, 1996/2003.

Dabei handelt es sich um einen beinahe allumfassenden Überblick über die Geschichte des Star Trek Fandoms und vor allem der Fanfiction und einen Einblick in das Leben und die Gedankengänge der “Fans der ersten Stunde”, die keine Mühen gescheut haben das Franchise zuerst zu retten und dann zu popularisieren. Heutzutage geht Fan-Sein ja relativ einfach, dank einer breiten Auswahl an Diskussionsforen, Blogs, Fanfic-Portalen, Tumblr & Co. – das war aber nicht immer so, und deshalb ist es umso wichtiger zu betonen, welche tragende Rolle diese Frauen (denn es waren hauptsächlich Frauen beteiligt) für das Fandom gespielt haben und bis heute spielen. Von einem literaturhistorischen und popkulturellen Standpunkt eine wirklich spannende Lektüre – vor allem, da gerade das Star Trek-Franchise viel dazu beigetragen hat, incl. die Erfindung der allgegenwärtigen Mary Sue durch Paula Smith – und sie macht richtig Lust darauf, auf die Jagd nach Fanzines und in alten Geschichten graben zu gehen.

Und das Coolste dabei? Das eBook / PDF ist frei zugänglich: Link hier! 🙂


P.S: Dieses Werk bezieht sich ausschließlich auf das amerikanische / englischsprachige Fandom. Falls jemand einen Dachschaden in ausreichender Größe Lust und Zeit hat, etwas vergleichbares für den deutschsprachigen Raum auf die Beine zu stellen … Ihr wisst ja, wo Ihr mich findet, ich bin sofort dabei. 😉

Sachen machen: Museu del Cinema, Girona

Quina il.lusió! Diese schöne Stadt hat mein Herz gestohlen wie keine andere, in diese schöne Stadt werde ich jedes Mal wenn ich zurückkehre nach Hause kommen, diese schöne Stadt ist Girona. Sie liegt etwa anderthalb Stunden nordwestlich von Barcelona und ist vor allem bekannt für ihren Flughafen, wo die Billigflieger die guiris in Massen abladen und mit Shuttlebussen nach Barna oder an die Costa Brava karren. Uns soll’s recht sein, selber schuld, sie verpassen nämlich wirklich was … Girona ist nämlich nicht nur irgendeine blöde verstaubte Provinzmetropole. 😉

Eins der Highlights in Girona ist das Museu del Cinema (Kino- und Filmmuseum), das man als Cineast unbedingt besuchen sollte wenn man mal in der Gegend ist, wenn man das süße guiri-Dasein satt hat oder es regnet (das machen guiris doch, wenn es regnet, oder? – dann gehen sie ins Museum und warten bis es aufhört. Dabei ist Regen an der Küste eigentlich ziemlich schön … ). Oder um es mit Polly Adlers unsterblichen Worten zu sagen: “Das Leben ist manchmal mehr Amstetten Girona als Paris Hollywood”. Continue reading Sachen machen: Museu del Cinema, Girona

Montagsfrage: “Kampf der Geschlechter” im Bücherregal?

Wie jede Woche stellt auch heute Nina von LiBROMANIE ihre Montagsfrage, und sie lautet:

Autor oder Autorin? Von wem lest ihr mehr Bücher?

Als Feministin finde ich diese Frage extrem interessant, und ich wundere mich gerade selbst darüber, dass ich mir noch nie wirklich Gedanken dazu gemacht habe. Die ehrliche Antwort ist also: ich weiß es nicht, und ich habe gerade weder Lust noch Zeit alle Bücherregale durchzuzählen und nach Geschlecht der Autor*innen zu sortieren (auch wenn es bestimmt sehr spannend wäre! woohoo Erkenntnisinteresse!).

Grundsätzlich “diskriminiere” ich nicht nach Geschlecht der Autor*innen, eher nach Themengebieten und Authentizität, ich schließe kein Buch von vornherein kategorisch aus oder ein nur weil es von einem Mann / einer Frau (und in weiterer Folge: einem Deutschen / einer Afroamerikanerin / einem Homosexuellen / einer Mutter / whatever) geschrieben wurde. Das einzige Genre, das ich wirklich gerne lese und das im Allgemeinen eher mit einem spezifischen Geschlecht in Verbindung gebracht wird, sind die “Klassiker des Literaturcanons” – die sind eben aus soziohistorischen Gründen eher männlich konnotiert, was einerseits schade ist, andererseits aber auch kein Grund es nicht zu lesen oder zu mögen.

Unter meinen Lieblingsautoren gibt es übrigens eine perfekte Gleichberechtigungs-Quote: John Irving, Isabel Allende, Milan Kundera und Ingeborg Bachmann. 😀