Rezension: Star Trek TAS

Kürzlich habe ich ja darüber geschrieben, dass wir uns The Animated Series auf DVD zugelegt haben. Und weil wir eben so sind wie wir sind, sind wir ein paar Tage später schon fertig mit Glotzen – waren ja nur lächerliche 22 Folgen.😉

Obwohl ich jetzt schon länger darüber nachdenke bleibe ich hin- und hergerissen, was ich von der Serie halten soll. Star Trek TOS (zu deutsch: Raumschiff Enterprise) und die ganze Kirk-Ära waren nie meine Favoriten und ein großer Zeichentrickfan bin ich auch nicht (was allerdings nicht heißen soll, dass ich alles Gezeichnete / Animierte automatisch für “Kinderkram” halte – im Gegenteil!), und dennoch hat die Serie (TAS: The Animated Series) in ihrer gesamten Banalität doch irgendwie ihren eigenen Reiz.

Die Ästhetik der Serie (oder das Fehlen derselben?) ist einigermaßen gewöhnungsbedürftig und wirkt stellenweise beinahe stümperhaft. Die Zeichnungen und Animationen sind sehr, sehr, seeehr simpel gehalten, was einerseits irgendwie charmant wirkt und andererseits extrem mühsam ist. Natürlich kann man eine bewusst billig und einfach gehaltene Serie aus den frühen 1970ern nicht mit den modernen Möglichkeiten der Animation vergleichen, aaaber … dass “wilde Verfolgungsjagden” immer eher nach ruckelndem Daumenkino aussehen ist ja fast schon wieder lustig; ich bin allerdings ein extrem visueller Typ und wenn sich die Mimik fast ausschließlich auf Mund auf, Mund zu, Augen auf, Augen zu plus einen ganz nah rangezoomten, aber statischen Special-Gesichtsausdruck pro Folge (besonders beliebt: erschrocken! schmerzverzerrt! mit Träne oder Schweißperlen!) beschränkt, ist mir das trotz allem Beharren auf “Retro-Charme” etc. pp. zu wenig.

Etliche der lästigen Inkonsistenzen aus TOS wurden auch in dieser Serie übernommen – ich denke dabei vor allem an die “fremden Galaxien”, die ständig erwähnt und doch nie besucht werden, und die unzähligen “Quadranten”, denn offensichtlich ist bis vier zählen zu können keine Voraussetzung wenn man für Star Trek arbeiten möchte. Als richtig obsessivem Fan fallen einem natürlich auch Dinge auf, die in den späteren Serien ganz anders dargestellt wurden – jemand namens Robert April soll der erste Captain eines warpfähigen Raumschiffs gewesen sein und seine Frau Sarah war Dr. Phlox?! Ernsthaft?! – aber nachdem eh strittig bleibt, ob TAS jetzt canon ist oder nicht, muss einem das im Zweifelsfall einfach wurscht sein.😉

Wirklich froh bin ich allerdings, dass die deutsche (Neu-)Synchronisation der Serie sich an der “modernen” (TNG und später) Nomenklatur orientiert und “Klingons”, “Romulanier” & Co. der Vergangenheit angehören lässt. Was mich jedoch sehr stutzig gemacht hat sind die deutschen Synchronstimmen der Charaktere – laut Memory Alpha sind es dieselben SynchronsprecherInnen die auch für TOS eingesetzt wurden, und doch ist der Wiedererkennungswert (außer bei Spock) nicht so recht gegeben. Zuerst dachte ich, ich spinne, aber inzwischen haben sowohl einige Leute in einem Fan-Forum wie auch mein Lieblingsmensch (der ein beinahe absolutes Gehör hat und bei jedem beliebigen Film jede beliebige Stimme zuordnen kann … das ist echt fast schon gruselig!) meine Beobachtung bestätigt. Irritierend. Muss demnächst mal einen Vergleich im englischen Original anstellen…

So, das war’s fürs Erste mit Formalitäten … kommen wir zum Inhalt. Ich muss fairerweise nochmal betonen, dass ich kein großer Fan bzw. Kenner der TOS-Ära bin und deshalb einen etwas anderen, vermutlich differenzierteren und kritischeren Zugang zu TAS habe als jemand, der beim bloßen Anblick von Kirk und Spock in verzückte Hyperventilation ausbricht.😉 Tut sorry … nicht.

Mein Fazit ist, dass TAS sein Potential leider absolut nicht nutzt.

Die meisten Folgen fand ich von der Grundidee her richtig gut, aber leider wurden die Geschichten in ihrem äußerst knappen Zeitrahmen (eine Folge ist nur 30 Minuten kurz, im Vergleich zu 50 Minuten für eine TOS-Folge) nur sehr oberflächlich und sprunghaft gehudelt erzählt. Konfliktpotential und Möglichkeiten für tiefsinnigere, auch philosophische Auseinandersetzungen mit dem Thema und der Handlung hätte es mehr als genug gegeben, doch das ist einfach im Nichts verpufft. Husch-husch-g’schwind-g’schwind hätte meine Großmutter dazu gesagt, und jetzt vertragt’s euch aber gleich wieder und gebt’s euch ein Bussi! – bei beinahe jeder Folge blieb für mich ein schaler Nachgeschmack der Unvollständigkeit und Banalität. Extrem schade.

Hin und wieder begegnet man alten Bekannten wie z.B. den Tribbles, was mir ein Schmunzeln entlockt hat (weil Tribbles!❤ ). Meine Lieblingsfolgen waren allerdings Das Lorelei-Signal, das auf dem altbekannten Sirenen-Thema aufbaut und meiner Meinung nach eine der besseren, feministischen Episoden der klassischen Ära ist (Lady Salka hat das im Lady Geek Girl & Friends-Blog ausführlich diskutiert, ein sehr lesenswerter Beitrag!) sowie die beiden Folgen Das Geheimnis von Megas-Tu und Kukulkan der Mächtige, die mit den ebenfalls wohlbekannten Themen Mythologie, Omnipotenz, Gottesbilder spielen. Einmal wieder wundere ich mich darüber, wie viel davon Q ist oder sein könnte (und komme zu dem Schluss, dass ich bald mal einen ausführlichen Artikel mit allen meinen reichlich absurden Theorien zum Thema Q schreiben muss…😉 ).

Von überallher habe ich gehört, dass TAS so viel cooler sei, weil es viel mehr und viel diversere Aliens gibt. Da der “Homo Sapiens Club” sowieso nicht das ist was mich in erster Linie an der Sternenflotte fasziniert und ich die bunt kostümierten Bimbos der TOS-Ära immer eher zum Augenrollen fand, war ich auf diesen Aspekt besonders gespannt – und im Endeffekt leider ziemlich enttäuscht. Es gab zwar einige kreativ gezeichnete Aliens, die so lange vor dem CGI-Zeitalter unvorstellbar waren (z.B. der Vogel-Alien, M’Ress und Arex), aber sie blieben leider allesamt eindimensional und farblos und auch wenn sie toll und exotisch aussahen wurde auf ihre Kultur usw. gar nicht eingegangen. Generell war von Charakterentwicklung wenig zu spüren, neben der konkreten Handlung konzentrierte die Serie sich hauptsächlich auf das übliche tumbe Geplänkel zwischen Kirk, Spock und Pille. Wenn man drauf steht ist das bestimmt toll, mich hat es allerdings eher angeödet.

Insgesamt bleibt festzustellen: TAS ist auf jeden Fall eine nette Unterhaltung für Zwischendurch, vor allem wenn man auf Kirk steht, aber beileibe kein Highlight der Trek-Geschichte. Aber irgendwie muss man es trotzdem lieben… Und zum Ausgleich schauen wir jetzt weiter DS9…😉

...and thanks for all the fish!

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