Ich konsumiere, also bin ich Geek?

Kürzlich hatte ich Geburtstag und wurde anlassbezogen mit Geschenken und in buntes Papier eingewickelter Liebe überhäuft – und ich habe mich riesig gefreut, vor allem über River Songs Journal, denn ich habe eine ausgeprägte Leidenschaft für hübsche Notizbücher. Andererseits hat es mich auch sehr nachdenklich gemacht, denn ich versuche schon seit längerem bewusst(er) und nachhaltig(er) zu konsumieren und mein persönliches Glück nicht (mehr) allzusehr an materielle Dinge zu hängen, versuche mein Geld nur für wirklich Relevantes und Qualitatives, und vor allem für Erlebnisse statt Zeugs auszugeben. Ich würde zwar (noch) nicht so weit gehen mich “Minimalistin” zu nennen, und ich bin auch ziemlich undogmatisch und entspannt in der Hinsicht, aber es ist ein inspirierender Weg dorthin, der mich immer wieder daran erinnert was wirklich wichtig ist.

Auf der anderen Seite steht meine Identität als Geek – und seien wir uns ehrlich, diese ganze Subkultur der Fandoms basiert in allererster Linie auf Konsumismus. Wir konsumieren nicht nur das Primärmedium – den Film, die Serie, oder was auch immer es sein mag – sondern auch ein ganzes millionenschweres Franchise an glitzernden Merchandisingartikeln und hochstilisiertem Habenwollen dazu. Da können noch so viele Studien beweisen, dass wir Geeks üblicherweise höher gebildet und sozial bewusster sind als der Durchschnitt der Gesellschaft, aber wir sind immer noch Jäger&Sammler und Pawlows blöde Köter sind unbarmherzig also mutieren wir bereitwillig zum Äquivalent von Teeniegören die mit Papis Kreditkarte in einem Shoppingcenter losgelassen werden wenn sich die Gelegenheit dazu bietet. Ich nehme mich da nicht aus, ich will alles haben was cool ist – sei es die neueste Jubiläumsedition-Bluray einer alten Serie mit dreieinhalb Minuten mehr Bonusmaterial, seien es humorige T-Shirts mit Sprüchen aus Game of Thrones, seien es völlig nutzlose Scherzartikel wie Pizzaschneider in Form der Enterprise, seien es völlig beliebige Sachen die aussehen wie eine TARDIS, kurzfristig setzt mein Verstand aus und ich hyperventiliere voll Begeisterung. Und dann schaudert es mich, weil es mir vor mir selbst graust.

Wir kritisieren ebenso regelmäßig wie selbstgerecht den Mainstream, der viel zu viel Wert auf Marken-Dies und Statussymbol-Jenes legt, hauptsache cool und fesch und teuer, aber sind wir da so viel anders oder gar besser?

“‘Geek’ has become a cliché, it’s become a label, it’s become something to monetize, to market to, to pigeonhole, to brand, to exploit …”
– Felicia Day, Geek & Sundry.

Für die Initiierten sind Fanartikel mehr als sie auf den ersten Blick zu sein scheinen, mehr als überteuerter billiger Ramsch der irgendwo auf der anderen Seite des Planeten (was uns leider oft fremder und ferner ist als die phantastischen Welten, Kulturen und Universen in die wir uns mit so viel Leidenschaft vertiefen können!) von Kindern in Bodenhaltung hergestellt wird – sie sind Insignien und Identifikationsfaktoren. Sie sind gewissermaßen der Gaunerzinken unserer Subkultur, wir grinsen unwillkürlich den fremden Typen in der U-Bahn an weil er ein Superheldenleiberl trägt und sich somit als verwandte Seele zu erkennen gibt, durch deren Besitz wir voll Stolz beweisen können, dass wir richtige Geeks sind.

Auch hinter dem vermeintlich so alternativ auftretenden Geektum steckt eine kolossale kapitalistische Maschinerie, eine ganze Industrie mit Konzernstrukturen und so weiter, eigentlich ist das alles was wir als Inbegriff des Fandoms sehen nichts anderes als eine teure Sonnenbrille oder ein fetter Sportwagen für die Markenbewussten des Mainstreams. Die wunderbare Lady Geek Girl vom gleichnamigen Blog hat einen interessanten Post dazu geschrieben und einige sehr valide Fragestellungen aufgeworfen und Schlussfolgerungen gezogen, das möchte ich nicht unerwähnt lassen – auch wenn ich mich mit ihrem durch und durch christlich-katholischen Standpunkt der von freiwilligen Armutsgelübden à la Franz von Assisi ausgeht nicht identifizieren kann, finde ich ihre Argumente durchaus schlüssig und allgemeingültig (weil man Gott und religiöse Gesetze ebensogut ausklammern und glaubensunabhängiges nachhaltiges, verantwortungsbewusstes und sozial verträgliches Leben an deren Stelle setzen kann):

(…) it’s a start toward living more simply while still enjoying all the geeky things we love. People are geeks because they enjoy certain things and express their deep love for those things without apology. That does not mean that one has to express that love by buying stuff, especially an excess of stuff. People read comics, watch movies, or play video games for enjoyment, and simply being able to express that joy should be enough to show that someone is a geek. (…) we can experience and enjoy geek culture by defining geek as something more than being avid consumers of certain products. 

Keine Frage – manchmal neide ich denen, die ihre gesammelten Schätze stolz in den diversen Foren posten und sich mit Limited Editions und Raritäten zu übertreffen versuchen, ihre beeindruckenden Kollektionen. Ich kann allerdings auch ein authentischer “guter Geek” sein, ohne den physischen Beweis vor mir her zu tragen, ich bin nicht weniger Fan als jemand der eine maßgeschneiderte Sternenflottenuniform oder zweiundvierzig Kaffeehäferln und Actionfiguren und Raumschiffnachbauten besitzt. Ich habe meine Prinzipien und Prioritäten, die mir wichtig sind und denen ich folge soweit ich kann – und Sachen zu lieben ist (zumindest in meinen Augen) besser als Sachen zu besitzen. Ebenso wie man Liebe nicht in Form von exorbitanten Geburtstagsgeschenken kaufen kann, muss man auch wahres Geektum nicht kaufen.

David von den Comparative Geeks hat einen Post zum Thema Geeks, Konsumismus und Nachhaltigkeit geschrieben, der mich sehr nachdenklich gemacht hat. Ich muss ehrlich gestehen, ich war nie ein enthusiastischer Sammler, aber ich bin in einem vollgestopften Haus aufgewachsen in dem einfach nichts weggegeben werden konnte, weil das ist ja noch gut, das könnte man ja noch mal brauchen, wer weiß wozu’s gut ist, irgendwann freust du dich noch darüber (und nein, ich spreche jetzt nicht über Dinge mit wirklichem emotionalem Wert, sondern über Mathehausübungshefte aus dem 3. Gym und schlecht überspielte Musikkassetten von Stücken die wir längst auch auf CD haben, während der Kassettenrekorder vor Ewigkeiten eingegangen ist), ich bin eine kapitalismuskritisch sozialisierte Rastlose die einmal zu oft übersiedelt ist und in jüngerer Vergangenheit den überquellenden Messie-Haushalt eines verstorbenen Verwandten auflösen durfte (der auf seine Art ein Nerd wie wir war, nur dass wir nichts damit anzufangen wussten, was eigentlich beschämend ist und nachdenklich macht … aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden!) – so etwas prägt, und deswegen mag ich die Tendenz, dass sich das Geektum allmählich ins Digitale, ins Virtuelle verschiebt. Ich bin zwar nach wie vor ein großer Fan meiner viel zu vielen Bücher (und würde sie niemalsnie durch einen eBook-Reader ersetzen wollen, da bin ich stur und fürchterlich konservativ!) und unserer kleinen aber feinen DVD-Sammlung, aber grundsätzlich mag ich die Idee, dass man geekige Sachen auch genießen kann ohne sie physisch besitzen zu müssen, ohne dass es Platz wegnimmt und unweigerlich verstaubt. Netflix hat seinen Siegeszug nach Altdunkeleuropa ja noch nicht angetreten, aber ich bin wohl der erste Fan wenn es endlich soweit ist (was mich selbst amüsiert, wenn ich meine Einstellung zu eBooks bedenke, but then again haben Filme und DVDs nicht dieselbe emotionale Bedeutung für mich wie Bücher).

Ich stolpere oft über die Definition von “Sachen”, fällt mir auf. Dennoch versuche ich, die zwei Sachen die mir mit am Wichtigsten sind, nämlich meine Identität als Geek und mein Bestreben nach einem bewussten und konsumkritischen Leben zu vereinen. Ich weiß nicht, wie radikal ich bin und auch nicht, wie gut mir das gelingt. Ich kann es nur versuchen – indem ich mich auf meine Gedanken zum Konsumierten statt auf das Konsumierte per se konzentriere. Deshalb sind mir Bücher und Filme wichtiger als gebrandete Schlüsselanhänger und die Verramschung von Leidenschaft.

Und was ist mit Euch, liebe Leserlein? Wie kultiviert und präsentiert Ihr Euer rumgeeken?

13 thoughts on “Ich konsumiere, also bin ich Geek?

  1. Spannender Beitrag! Ich bin kein großer Freund von Fanartikeln, mir hat sich nie erschlossen, wo da der Mehrwert liegt, wenn ich Star Trek Figuren oder so besitze. Mir persönlich gibt das nichts. Es reicht mir, das Buch bzw. die DVD zu besitzen. Diese Dinge halte ich dann in Ehren und lese/schaue sie so oft ich mag. Das macht mich zu einen Fan und zwar nicht zu einem “schlechteren” als Menschen, die im Fanartikelkaufrausch aufgehen. Ich habe kein Problem damit, jeder soll so viele “Sachen” (wie du so schön schreibst) anhäufen, wie er/sie möchte. Wenn etwas, das aussieht wie die Tardis, dich glücklich macht – warum sollst du es dann nicht kaufen? Das macht dich nicht zu einem größeren Fan, aber auch nicht zu einem schlechteren Menschen. Finde ich.🙂

    1. “Mehrwert” ist ein gutes Stichwort!🙂 Ich gebe gern Geld aus für Sachen die einen Mehrwert haben und die ich auch langfristig oder öfters verwenden werde – beispielsweise Bücher und DVDs oder auch River Songs Journal, das aussieht wie eine Tardis und in dem ich auch wirklich schreibe, aber wenn es einfach nur rumsteht und hübsch aussieht und nix weiter ist es mir zu schade drum …

      1. Das finde ich sehr sinnvoll! Damit kaufst du dann ja etwas, was du wirklich brauchst und dass du auch benutzt – und wenn das dann wie eine Tardis aussieht und dir das gefällt, ist das doch spitze!🙂 Zu sowas würde ich mich evtl, sogar auch noch hinreißen lassen, aber Dinge, die nur im Regal stehen – nee!

  2. Also ich bin ja im Grunde ein recht geiziger Mensch und überlege 1000x bevor ich irgendetwas kaufe. DVDs kaufe ich mir wirklich nur Filme, die ich auch wirklich mag. Die Marvel Sammlung muss schon sein, ansonsten kauf ich eigentlich keine DVDs. Bei Büchern bin ich zu 90% auf eBooks umgestiegen. Nur wenige Schätze gibt es noch auf Papier. Bei Comics sieht es jedoch anders aus. Da sind mir meine Paperbacks im Regal noch am liebsten. Aber auch meinte Kisten voller Hefte. Obwohl ich nicht weiß, wie es wäre, wenn es die alle auch digital in Deutsch geben würde.
    Naja, zu einigen T-Shirts kann ich aber auch nicht nein sagen🙂 Aber sich Figuren ins Regal stellen? Mhh..ne.

  3. Nachträglich Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag🙂

    Ich denke die Verlagerung ins Digitale hilft nicht unbedingt beim bewussteren Konsumieren. Wie oft habe ich schon auf Bücher-Blogs gelesen “Bei meinen ungelesenen eBooks habe ich jeglichen Überblick verloren, aber trotzdem sind da eben x Bücher dazu gekommen, weil sie gerade so billig waren.”
    Klar, Digital hat viele Vorteile, vor allem räumlich (ich bräuchte für meine Bücher schon wieder ein Regal mehr und hab keine Ahnung wohin es soll >.<) aber es hat meinem Eindruck nach nicht ungebdingt einen Einfluß darauf aus welchen Motiven konsumiert wird.

    Aber ich bersuche auch bewusst zu konsumieren. Zum einen, dass ich versuche nur Bücher/DVDs zu erwerben, die ich auch mehrmals lesen/sehen werde – wo es also wirklich einen Grund gibt, sie zu besitzen. Bei Filmen und Serien hab ich sie meist vorher schon gesehen (Kino, Freunde, Fernsehen etc) oder sie sind Teile eines Ganzen (MCU, PotC, Serienstaffeln) und bei Büchern eben oft von Autoren, von denen mir andere Werke schon gefallen haben oder Empfehlungen von Freunden und nicht nur ein "Oh, der Klappentext klingt nett".
    Und zum anderen stammt ein Großteil meiner Neuzugänge aus Tauschbörsen bzw. ich werde darüber auch Bücher/DVDs los, die mir wieder Erwarten doch nicht so gefallen haben (oder doofe Geschenke xD). Das ist für mich auch etwas anderes, als den ganzen Kram neu zu kaufen. Andere werden für sie nutzloses Zeug los und ich hab was tolles und umgekehrt.

    Ansonsten hab ich auch gar nicht so viel Merchandise, was aber weniger an nicht wollen als an 'armer Student ohne Geld' liegt. Einiges hätte ich da schon, kann aber auch problemlos ohne leben.

    1. Guter Hinweis in Bezug auf die Verlagerung ins Digitale – da habe ich gar nicht so dran gedacht, dass man sich so herrlich selbst täuschen kann, weil man die tausend eBooks ja nicht sieht😉

      Tauschbörsen usw. gefallen mir auch sehr gut. In meiner Stadt gibt es “offene Bücherschränke”, und die Idee finde ich sehr toll und bin auch immer wieder mal fündig geworden!

      1. Ohja ein offener Bücherschränke, wäre so etwas, dass ich mir hier in der Gegend auch wünschen würde. Aber wenn ich mir anschaue, wie schon so touristische Informationsbretter und dergleichen mit Graffitis ‘verschönert’ wurden, würde so etwas hier wohl nicht lange existteren können…..

  4. Chapeau, wunderbarer Artikel, das muss hier mal gesagt sein.
    Ich finde deine Gedankengänge sehr interessant, weil ich sie von mir selbst kenne, wenn auch mit einem etwas anderen Ausgangspunkt.
    Ich war jahrelang Punkerin. So richtig, mit allem drum und dran. Die Musik, die Leute, die Art zu feiern, die Klamotten, die Haare und irgendwann der Hund. Was ist heute geblieben? Die Musik. Ein Bruchteil der Klamotten, hauptsächlich T-Shirts. Und natürlich der Hund.🙂 Heute bin ich nur noch ich selbst. Denn damals… ich hatte das Gefühl, ein bestimmtes Maß an Punk nach außen tragen zu müssen. So wie es bei dir das Superhelden T-shirt ist, so war es bei mir das Würgehalsband. Gerade Klamotten habe ich bergeweise angehäuft. Nun ist es natürlich so, dass man in der Punk-Szene mit dem Kauf eines Shirts, einer Hose oder was auch immer oftmals ein kleines Independent-Label unterstützt. Und das ist gut. Ich habe deswegen kein schlechtes Gewissen.
    Aber ich hatte das Gefühl, diese Klamotten besitzen zu MÜSSEN, um anerkannt und ERkannt zu werden. Jeder sollte sehen, dass ich Punk bin. Meine Güte, ich hätte locker 50 Menschen mit meinen Strumpfhosen erwürgen können, so viele besaß ich. Wofür das alles? Viele Strumpfhosen übereinander zu tragen ist nicht grade praktisch oder bequem. Und den meisten Menschen ist es völlig schnuppe, ob ich nun eine oder 20 anhabe.
    Was hatte ich davon, dass man mich eindeutig einer Szene zuordnen konnte? Nichts. Außer einen kleinen, inflationären Kick für das Ego. Brauchte ich das damals? Wahrscheinlich. Heute habe ich erkannt, dass mein Äußeres keine Rolle spielt. Ich bin damals missverstanden worden und ich werde heute missverstanden, ob mit oder ohne Iro. Diese Missverständnisse kann ich nur im direkten, verbalen Kontakt ausräumen. Was zählt, ist das, was in mir steckt. Mein Geist, mein Wesen bestimmt meinen Wert. Nicht der millionste abgefahrene Rock mit Fellbesatz.

    Ich bin nie zum gedankenlosen Konsumieren erzogen worden. Es gab eben immer EIN Spielzeug, das ich mir Laden aussuchen durfte, nicht fünf. Wenn überhaupt.
    Heutzutage habe ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich mir unterwegs etwas zu essen kaufe, weil ich genauso gut zu Hause eine Stulle (für die Nicht-BerlinerInnen: Scheibe Brot, Bemme, etc.) essen könnte. Ich gebe kein Geld für Klamotten aus, wenn es nicht sein muss. Kleidung wird getragen, bis sie auseinander fällt und selbst dann wird sie erst noch zwanzig mal genäht, bevor sie im Müll landet. Die große Ausnahme sind Band-Shirts. Die sammle ich ähnlich wie Bücher. Asche auf mein Haupt.
    Nippes-Krams kaufe ich prinzipiell nicht. Staubt alles ein und muss dann sauber gemacht werden, einfach, um nur DAZUSTEHEN. Nein, danke.
    Es läuft also darauf hinaus, dass das einzige, das ich wirklich hemmungslos einkaufe, Bücher sind. Mir ist klar, dass ich auch das anders handhaben könnte. Aber ich möchte nicht.

    Ich denke, dass Nachhaltigkeit und Bewusstsein bezüglich des Konsums hehre Ziele sind, die man auf jeden Fall anvisieren sollte. Doch man darf sich nicht den Illusionen hingeben, dass es leicht durchführbar sei. Unsere Gesellschaft, der gesamte Kapitalismus, baut auf Konsum auf. Stichwort Wegwerf-Gesellschaft. Ich denke, deine Schlussfolgerung, dass du entspannt an die Sache heran gehst, ist definitiv der richtige Weg. Unter Zwang erreicht man nämlich möglicherweise schnell die Grenze des Möglichen. Wollte man komplett konsequent sein, würde dies bedeuten, keinen Fernseher, kein Handy zu besitzen und nur noch selbst angebaute Produkte zu verspeisen, deren Herkunft man sicher nachweisen kann. Der Gedanke lässt sich fast beliebig weiter spannen, bis zu dem Punkt, an dem man in einer kleinen Hütte ohne Strom, ohne Heizung bei Kerzenlicht sitzt.
    Die Frage, die man sich stellen muss, ist also vielleicht nicht, ob man nachhaltig leben kann, sondern wie sich Nachhaltigkeit und Konsumbewusstsein in das eigene Leben integrieren lässt. Denn bewusst und nachhaltig zu leben, muss ja nicht bedeuten, unsere Gesellschaft mit all ihrem Fortschritt und ihren Annehmlichkeiten komplett abzulehnen.

  5. Nachträglich erstmal alles Liebe zum Geburtstag🙂

    Guter Artikel, wieder mal. Der Konsumwahn macht ja vor niemandem halt, und natürlich stellt sich gerade bei Fanartikeln schon die Frage “Brauch ich das wirklich”? Mir ging’s auch schon oft so, dass ich andere um ihre umfangreichen Sammlungen (meistens Adventurespiele in der Originalverpackung aus dem Jahr 1990 mit hundert Disketten und Codescheibe) beneidet hab, allerdings geht meine Sammelwut gerade bei Computerspielen mittlerweile längst nicht mehr so weit, dass ich a) alles haben muss (vor allem ist der Besitz eines bestimmten Spiels ja kein Muss, den Druck macht man sich ja selber) und b) alles in einer Sammleredition (Originalausgabe aus dem Jahre Schnee) haben will. Das ist mir nämlich schlicht und ergreifend zu teuer. Wenn ich mal ein rares Spiel irgendwo halbwegs günstig (= unter 20 Euro) auftreibe, freu ich mich wie ein Schneekönig. Wenn nicht, dann halt nicht. Ich bin nicht bereit, für Spiele, die 20 Jahre oder älter sind, Summen hinzulegen, die über dem Preis eines neuen Spieles liegen. Diesbezüglich hab ich meine Sammelwut und meinen Konsumwahn also recht gut im Griff – außer, es wird ein neues Spiel veröffentlicht, z.B. die Fortsetzung einer Reihe, und das in einer Sammleredition mit netten Goodies wie Artbooks (die ich einmal durchblättere, dabei “Oh wie schöööön” sage und sie dann nie wieder anschaue), Büsten (Geralt aus The Witcher darf über meinem Schreibtisch thronen) oder Pins (zur zweiten Staffel von Game of Thrones gab’s bei Amazon limitiert die Hand of the King als Pin). Hin und wieder gönne ich mir sowas – etwa, wenn ich die vorherigen Teile kenne und liebe. Insofern bin ich schon ganz nervös und warte auf meine Sammleredition von Baphomets Fluch 5. Und sollte es zu Witcher 3 auch wieder eine limitierte Sammleredition geben, werd ich wie schon bei Witcher 2 alles daran setzen, die in die Finger zu kriegen. Aber da wird halt selektiert. Ich kauf nicht jedes Spiel, und ich kauf erst recht nicht jedes Spiel in einer Sammleredition.

    Ich finde, man kann durchaus Dinge sammeln, ohne deswegen in einen Konsumrausch zu verfallen. Man wählt dann halt einfach bewusster aus – seit ich einen Kindle hab, mach ich das z.B. mit Büchern. Der Platz in den Regalen ist limitiert, ich will nur noch Bücher drinstehen haben, die wirklich gut sind und bei denen ich mir zumindest vorstellen kann, sie irgendwann noch mal zu lesen. Alles andere, was irgendwie interessant klingt, wandert auf den Kindle, was sich schon in einigen Fällen als weise Entscheidung entpuppt hat, ich sag nur, “Shades of Grey” *ahem*

    Und, ganz wichtig: Wenn man bestimmte Dinge sammelt/kauft/konsumiert, dann sollte man das, meiner Meinung nach, für sich selbst tun und nicht, um von irgendjemandem anerkannt oder gelobt zu werden oder um sich als einer bestimmten Gruppe zugehörig zu fühlen. Aus Spieleforen kenn ich das als regelrechten Wettbewerb à la “Zeigt mal eure Sammlungen her” – und dann werden Fotos reingestellt von durchaus beeindruckenden Sammlungen, die beim Betrachter vor allem eines auslösen sollen: “Ich will auch so cool sein wie der/die”, am besten noch als Kommentar unter das Foto gepostet, damit der/die Andere sich in seiner/ihrer Coolness bestätigt sieht. Bei mir hat das zwei Effekte: “Jö, lässige Sammlung hat der da”, gefolgt von “Meine Güte, das wär mir alles viel zu teuer”, wahlweise auch von “Wozu soll ich Indiana Jones 3 auf Diskette kaufen, wenn ich’s dann nicht spielen kann? Ist ja blöd”. Früher, als ich grade mit dem Zocken angefangen hatte und diese Fotos in den diversen Foren sah, gesellte sich zu “Ist ja cool” ganz gerne auch dieser Gedanke hinzu “Na, da brauchst aber von deiner mageren Sammlung kein Foto reinstellen, hast ja nix, was auch nur annähernd so cool wäre wie das da auf dem Bild”. Ansatzweise hab ich dann tatsächlich versucht, Originalausgaben aufzutreiben (in einer Handvoll Fälle ist mir das auch gelungen), das aber rasch wieder aufgegeben, weil zu teuer und im Grunde blöd. Ich kaufe Computerspiele zu Unterhaltungszwecken und nicht, um damit angeben zu können. Ähnliches gilt für Bücher, DVDs, CDs, Klamotten – wurscht was. Ich kauf mittlerweile auch bewusster, geb lieber mal mehr Geld für z.B. Schuhe oder Kleidung aus und hab dafür dann aber gute Qualität und nicht einen Fetzen, den ich nach einem Jahr wegschmeißen muss, weil sich die Nähte auflösen. Lieber weniger, dafür sorgfältiger ausgewählt. Und wenn ich hin und wieder trotz aller guten Vorsätze mal in einen Kaufrausch verfalle, ist das auch ok🙂

    1. Awww thanks David, and thanks to you too, your blogpost has been a huge inspiration! Kudos for putting up with the translated version of what I wrote – I just gave googletranslate a go and it turned out to be ghastly amusing in all the wrong places…😛 tbh, I’ve consciously chosen to blog in German because we don’t have many “geek blogs” in my language (on my continent, so to speak… meh), and sometimes I kinda regret it because the anglophone blogging community is so much bigger and livelier; so please feel free to comment in English as well, I’m happy to attempt a proper translation if need be😉

      1. The translated version was decent right up until you hit a complex concept, that is true🙂 Good to support local geeks, so blogging in your local language is good. Although, local means something different thanks to the Internet!

        I wanted to mention I did revisit the idea of Geek Culture and Consumerism in another post: http://comparativegeeks.wordpress.com/2013/06/14/science-fiction-today-geek-culture-and-consumerism-round-2/ There, I hit on the difference between Consumerism – experiencing and taking things in – and Materialism – buying and owning things. I think that to be a Geek you do have to “consume,” but you don’t have to own. And as you talk about you, don’t have to buy all of the t-shirts and the rest, all of the merchandise, to be a Geek!

        However, sometimes, buying the merchandise helps you support the things you love, too. It’s a tough question. We have been buying our geeky t-shirts from For Human Peoples (http://www.forhumanpeoples.com/), where they are supporting artists who submit designs to them for the shirts.

        Have a good day!

...and thanks for all the fish!

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