Category Archives: Film

Rezension: Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele (1)

Ich hab’s ja grundsätzlich nicht so mit Hypes, aber der Lieblingsmensch wollte vor einiger Zeit unbedingt den Film schauen. Also haben wir den Film geschaut und ich fand ihn ziemlich, ziemlich gut – und das nicht nur wegen der unglaublich talentierten und mindestens ebenso unglaublich scharfen Jennifer Lawrence. 😉 Nun stehe ich Literaturverfilmungen grundsätzlich eher skeptisch gegenüber, aber ich liebe und achte gut geschriebene Jugendliteratur, also musste ich die Bücher einfach haben, just because. Und was bietet sich besser an als ein verregneter Feiertag (Mariä Schulfrei, oder was auch immer das diesmal war …) um ihn gemütlich mit Jennifer Lawrence Katniss und Katze im Bett zu verbringen?

Die Grundidee, die hinter Panem steckt, finde ich faszinierend und beängstigend gleichzeitig. Dieses dystopische, postapokalyptische Land voller Härte und Segregation und extremem sozialem Ungleichgewicht, das unfassbare Gräueltaten nicht nur billigt sondern auch zum Gaudium der Massen (panem et circenses, Brot und Spiele, der Titel kommt nicht von ungefähr) auf Staatskosten austrägt und mit Moral wegzuargumentieren versucht – wow. Irgendwie fühlte ich mich immer und immer wieder an Die Welle von Morton Rhue erinnert (das war das mit dem Nazi-Experiment in einer Schulklasse, es ist recht verbreitet als Schullektüre soweit ich weiß), nur mit dem Unterschied, dass Panem keinen realen Hintergrund hat … aber es fällt nicht schwer sich vorzustellen, dass irgendwann bald alles so kommen könnte. Sind die Menschen wirklich so?

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Die Macht der Science-Fiction

Gerade eben bin ich zufällig über ein Interview mit Alexander Siddig (Dr. Julian Bashir aus Star Trek: Deep Space Nine) gestolpert, und seine Antwort auf eine der Fragen hat mich sehr nachdenklich gemacht – vor allem in Hinblick auf die Kritik der Oberflächlichkeit, die den neuesten Filmen der Star-Trek-Franchise (völlig zu Recht, meiner Meinung nach!) angelastet wird.

Question: Why do you think science fiction is always ahead of the curve, in terms of dealing with things without skin-deep judgments?

Siddig: Yeah. Well, the power of allegory. Abstraction can take the most harrowing, complicated real-life situation and say, “But this is actually just two grapes talking and they’re talking to a weird sunflower.” They’ve abstracted the humanity out of it and transplanted it into something else that is much more comfortable.  Much easier to cope with and gives the writer enormous freedom. I mean, you can do really dark, full-on stuff and take it so far away, to a spaceship somewhere miles and miles away on a funny little planet where the creatures are barely recognizable. That and the fact that they work with massive archetypes that we can’t really work with. Only Batman movies can work with those. […] THAT’s the power of sci-fi. I love sci-fi, computer games. I love any escapes.  Give me them all.  I’ll take all of them and, yeah, I think that’s the strength of that genre.

Verdammt, der Mann hat Recht. Das ganze Interview (hauptsächlich über seinen – nicht mehr ganz so – neuen und ebenso großartigen Film “Cairo Time”) gibt’s hier zu lesen.

Sachen machen: Museu del Cinema, Girona

Quina il.lusió! Diese schöne Stadt hat mein Herz gestohlen wie keine andere, in diese schöne Stadt werde ich jedes Mal wenn ich zurückkehre nach Hause kommen, diese schöne Stadt ist Girona. Sie liegt etwa anderthalb Stunden nordwestlich von Barcelona und ist vor allem bekannt für ihren Flughafen, wo die Billigflieger die guiris in Massen abladen und mit Shuttlebussen nach Barna oder an die Costa Brava karren. Uns soll’s recht sein, selber schuld, sie verpassen nämlich wirklich was … Girona ist nämlich nicht nur irgendeine blöde verstaubte Provinzmetropole. 😉

Eins der Highlights in Girona ist das Museu del Cinema (Kino- und Filmmuseum), das man als Cineast unbedingt besuchen sollte wenn man mal in der Gegend ist, wenn man das süße guiri-Dasein satt hat oder es regnet (das machen guiris doch, wenn es regnet, oder? – dann gehen sie ins Museum und warten bis es aufhört. Dabei ist Regen an der Küste eigentlich ziemlich schön … ). Oder um es mit Polly Adlers unsterblichen Worten zu sagen: “Das Leben ist manchmal mehr Amstetten Girona als Paris Hollywood”. Continue reading Sachen machen: Museu del Cinema, Girona

Das Buch zum Film … oder so?

Mein Verhältnis zu Literaturverfilmungen ist, gelinde gesagt, gespalten. Die meisten regen mich einfach nur auf, vor allem wenn sie Büchern, die ich liebe, so absolut nicht gerecht werden – John Irvings Gottes Werk und Teufels Beitrag und Isabel Allendes Geisterhaus, beide gleichermaßen grandios, aber die Filme sind zum Krenreiben und verstümmeln vielschichtige, gesellschaftspolitisch relevante Weltliteratur zu seichten Hollywood-Schnulzen (letzteren konnte nicht einmal Meryl Streep retten, und das soll was heißen). Für andere bin ich wirklich dankbar, ich denke da vor allem an Umberto Ecos Der Name der Rose, das so monströs episch ist, dass ich beim Lesen frustriert gescheitert bin und erst nach dem Film das Buch wirklich kapiert (und endlich fertiggelesen) habe. Und manchmal lache ich einfach nur schallend und verächtlich über den Wahn der Literaturverfilmungen, vor allem als ich irgendwann kurz nach dem Anlaufen des Films einen glitzernden Sticker “Jetzt neu! Das Buch zum Film!” auf Patrick Süskinds Parfum prangen sah. 😀

Aber da ich grundsätzlich meinungsflexibel bin, möchte ich mich in diesem Post dennoch mit Literaturverfilmungen auseinandersetzen – aus aktuellem Anlass, denn schließlich ist die neue Game of Thrones-Staffel angelaufen (endlich!) und der zweite Teil vom Hobbit ist auf BluRay erschienen. Zeit, meine Meinung zu Literaturverfilmungen zu überdenken.

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