Category Archives: Meta

Das Buch zum Film … oder so?

Mein Verhältnis zu Literaturverfilmungen ist, gelinde gesagt, gespalten. Die meisten regen mich einfach nur auf, vor allem wenn sie Büchern, die ich liebe, so absolut nicht gerecht werden – John Irvings Gottes Werk und Teufels Beitrag und Isabel Allendes Geisterhaus, beide gleichermaßen grandios, aber die Filme sind zum Krenreiben und verstümmeln vielschichtige, gesellschaftspolitisch relevante Weltliteratur zu seichten Hollywood-Schnulzen (letzteren konnte nicht einmal Meryl Streep retten, und das soll was heißen). Für andere bin ich wirklich dankbar, ich denke da vor allem an Umberto Ecos Der Name der Rose, das so monströs episch ist, dass ich beim Lesen frustriert gescheitert bin und erst nach dem Film das Buch wirklich kapiert (und endlich fertiggelesen) habe. Und manchmal lache ich einfach nur schallend und verächtlich über den Wahn der Literaturverfilmungen, vor allem als ich irgendwann kurz nach dem Anlaufen des Films einen glitzernden Sticker “Jetzt neu! Das Buch zum Film!” auf Patrick Süskinds Parfum prangen sah. 😀

Aber da ich grundsätzlich meinungsflexibel bin, möchte ich mich in diesem Post dennoch mit Literaturverfilmungen auseinandersetzen – aus aktuellem Anlass, denn schließlich ist die neue Game of Thrones-Staffel angelaufen (endlich!) und der zweite Teil vom Hobbit ist auf BluRay erschienen. Zeit, meine Meinung zu Literaturverfilmungen zu überdenken.

Continue reading Das Buch zum Film … oder so?

Advertisements

Science Fiction und die Genredebatte

“(…) on behalf of all the variations and sub-genres such as urban fantasy, alternate history and steampunk which collectively make up “speculative fiction”, I’d argue that genre fiction is different from literary fiction. Setting a story in another place or another time enables speculative fiction to explore ideas that literary fiction might really struggle with.”

Juliet McKenna – The Genre Debate: Science Fiction Travels Farther Than Literary Fiction. (The Guardian, April 18th)

Fantastischer Artikel zu einer immer wieder aufgeworfenen Frage. Ein absolutes must read für Enthusiasten und ambitionierte Literaturkritiker. Mehr sage ich gar nicht mehr dazu, ein ausführlicher Post zu meiner persönlichen Meinung über Genre und Spekulation ist allerdings in Vorbereitung.

Rezension: Die Philosophie bei Star Trek

Philosophie ist eine dieser Disziplinen, die mich immer schon fasziniert haben und über die ich trotzdem noch viel zu wenig weiß. Wie bei den meisten begann das wohl irgendwann mit Sofies Welt und begleitete mich durch die Schule, das Studium und unzählige Bücher. Die Kombination von Philosophie und Star Trek finde ich überaus faszinierend, und passend, denn die Serie wirft im Laufe der Zeit so viele existentielle und philosophische Fragen auf, dass ich so oft Pausen machen musste, um meine Gedanken zu ordnen und so manche Nacht nicht geschlafen habe, weil mich diese oder jene hitzige Grundsatzdiskussion davon abgehalten hat. Ein Buch darüber schien wie für mich gemacht zu sein, also habe ich es gekauft, als potentielle Antwort auf all meine Fragen, und als neuer Denkanstoß für all meine weiteren Überlegungen.

Fasziniert – und ja, ich weiß, Spock sagt dauernd “faszinierend!” und jeder der in seinem Leben auch nur eine einzige Folge Star Trek geschaut hat kichert kindisch dabei – hat mich auf den ersten Blick das Inhaltsverzeichnis. Kapitelüberschriften wie “Der Homo-sapiens-Club – Ethnien und Sprachenvielfalt in Star Trek” oder “Hippokrates in den Sternen – wohin noch kein Arzt gegangen ist” haben mich neugierig gemacht.

“Wie Sie hoffentlich wissen ist Philosophie viel mehr als nur ein bisserl grübeln und g’scheit daherreden” – so begann auf gut Wienerisch eine Einführungsvorlesung in die Geschichte der Philosophie, die ich vor etlichen Semestern besucht habe. Und genau dieser Leitsatz gilt auch für dieses Buch, das seinem sehr ambitionierten Titel leider just aus diesem Grund nicht gerecht wird…

Continue reading Rezension: Die Philosophie bei Star Trek

Wir machen Sprache!

Ich bin süchtig nach TED-Talks und ich bin süchtig nach Sprache. Also lasst mich bitte mal kurz hyperventilieren, während ich das hier poste:

Der TED-Talk von David Peterson, der Dothraki (und noch ein paar andere Sprachen) für Game of Thrones (wa yeah, heute geht es weiter!) entwickelt hat, spricht über den Unterschied zwischen Grammatik und Vokabeln, über Regeln und Sprecher, über historische Linguistik und die Evolution von Sprache (kurz und gut: wie Sprecher Regeln erschaffen indem sie Regeln brechen und wie sich eine Sprache dadurch entwickelt, dass die Sprecher auf die Regeln pfeifen… irregular verbs, anyone?!), und darüber, wie man eine künstliche Sprache so konstruiert, sodass sie natürlich und glaubhaft erscheint. Faszinierend und präzise.

Anschauen!

Unravelling the Mystery

One cries because one is sad. For example, I cry because others are stupid, and that makes me sad.
–Dr. Sheldon Cooper

Ich gebe es offen und ehrlich zu: ich mag The Big Bang Theory nicht. Anfangs war ich total begeistert, denn ganz ehrlich, eine nerdige Serie im Mainstream-Fernsehen ist schon ziemlich cool. Aber je mehr ich gesehen habe, desto ernüchterter wurde ich. Warum? Darum:

Die Serie ist das Äquivalent der beliebten und “coolen” Kids, die in der Schule verstohlen oder ganz offen mit dem Finger auf uns “Streber” gezeigt und uns geschubst haben. Es ist “Comedy”, aber nicht zum Lachen: Man (also der Nullachtfuffzehn-Zuschauer) lacht nicht mit den Protagonisten, sondern über sie, weil sie – mal wieder, muhaha, gähn – etwas völlig abgedreht nerdiges gemacht haben, was man nicht versteht oder gar verstehen kann, weil man eben nicht einer von ihnen ist. Penny, das unterbelichtete Mainstream-Blondchen von Nebenan, ist die zentrale Identifikationsfigur, und sie tut was sie am Besten kann, nämlich genervt mit den Augen rollen wenn die Freaks wieder etwas besonders freakiges machen, denn sie sind ja sooo weltfremd und lächerlich obwohl – oder gerade weil – sie so intelligent und erfolgreich sind. Stereotyper geht’s echt nicht mehr. 😦

Schon klar, The Big Bang Theory ist eine seichte Sitcom die durch hohle Lacher aus der Konserve vorangetrieben wird und keine tiefsinnige soziologische Auseinandersetzung mit Subkulturen, der Wissenschaft und der Gesellschaft per se, aber…

Continue reading Unravelling the Mystery