Category Archives: Rezension

Rezension: Gute Geister

Ein paar Tage wohlverdienter Urlaub mitten im Chaos bietet sich an, um endlich mal nichts zu tun und viel zu lesen. Gute Geister war mein Weihnachtsgeschenk von der wunderbaren Frau von Saltkrokan, die mich und meine Lesevorlieben viel zu gut kennt: ich mag rebellische Frauenfiguren und historisch relevante Lebensgeschichten (und seien sie auch fiktiv). Hab’s in drei Tagen verschlungen, ergo gibt’s endlich wieder eine Rezension von mir und der Blog meldet sich endgültig zurück ins Leben. Wurde ja auch Zeit. 🙂

Ich muss ehrlich gestehen, ich weiß nicht allzuviel über die us-amerikanische Bürgerrechtsbewegung – nur was man als durchschnittlich gebildete, tendentiell links sozialisierte Person eben mitbekommt, soll heißen: ich kenne den Unterschied zwischen Martin Luther King und Martin Luther, zwischen Rosa Parks und Rosa Luxemburg … und das ist nicht viel, wenn wir ehrlich sind. Die USA faszinieren mich allgemein nur wenig, dementsprechend habe ich mich nur wenig damit befasst und bin an dieses Buch recht unbefangen ahnungslos herangegangen.

Gute Geister spielt in Jackson, Mississippi, in den frühen 1960er Jahren und erzählt die Geschichten von Aibileen und Minny – zwei schwarzen Dienstbotinnen, die charakterlich völlig unterschiedlich und trotzdem beste Freundinnen sind – und Miss Skeeter – einer weißen jungen Frau aus gutem Hause, die nicht recht in die sozialen Konventionen passen will. Und damit beginnt die Meta-Ebene, die diese Geschichte für mich so faszinierend gemacht hat, denn irgendwie ist es ein Buch in einem Buch: Miss Skeeter will nämlich Journalistin oder Schriftstellerin werden und schreibt deshalb die Lebensgeschichten von Aibileen, Minny und anderen Dienstbotinnen auf.

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Fanfictionfreitag: I Only Have Eyes For You

Star Trek Voyager wird in Sachen Fanfiction immer meine erste, einzige und große Liebe bleiben – und ich bin eifrig dabei das Gerücht zu widerlegen, dass Voyager Fics ausschließlich aus holprigen Hausfrauenphantasien über Janeway und Chakotay bestehen müssen.

Quelle: http://jenniferleawho.tumblr.com/

I Only Have Eyes For You, erster Teil der K/7 Saga
von Michael Ben-Zvi auf Trekipedia – Delta Fleet
(Sprache: Englisch. Rating: nicht angegeben)

Eigentlich bin ich ja ziemlich voreingenommen, was Harry Kim und Seven of Nine angeht. Ich liebe beide Charaktere über alles, aber ich konnte sie mir eigentlich nie wirklich zusammen vorstellen weil sie einfach so überhaupt nicht harmonieren – aber dann habe ich diese Serie gefunden und plötzlich ist es so nachvollziehbar und richtig. Michael Ben-Zvis Geschichte ist perfekt bis ins Detail. Es ist eine Romanze die ihresgleichen sucht, sehr analytisch (natürlich, es ist ja Seven!) und trotzdem gefühlvoll, sehr geschickt in den bestehenden Canon eingeflochten (und das Beste: ein alternatives Ende zu “Endgame”!), und auch die Interaktionen mit den anderen Mitgliedern der Besatzung waren ein wesentlicher Bestandteil (großartig vor allem B’Elanna und der Doktor, und ganz entzückend natürlich Naomi), es wirkt einfach total echt und authentisch. Ich fand es großartig, zu sehen wie Harry und Seven sich miteinander entwickeln und was aus einem ersten verunglückten “Wünschen Sie zu kopulieren?” werden kann … hach, einfach nur hach!

Und das Beste, es gibt unter dem Titel “Delta Fleet” eine Fortsetzung in Form von virtuellen Episoden, in denen Harry der Captain der Enterprise ist und die sie zurück in den Deltaquadranten führen … aber die habe ich noch nicht gelesen. Entschuldigt mich, ich bin dann mal im Deltaquadranten.

(Und in meinen Fingerspitzen und im Unterbewusstsein meines Kopfcanons werden Barclay und Maggie gerade ziemlich irrational eifersüchtig, und sowohl Harry als auch Annie lachen schallend über die Idee einer Romanze, denn so sind die beiden eben. Ist das absurd? Weird is part of the job, oder?)

Well then, here we go again…

Bitte entschuldigt, sollte dieser Beitrag etwas weniger kohärent und / oder grammatisch sein als geplant … ich bin heute erst um halb sieben Uhr früh von einer ganz fabelhaften durchlachten und durchtanzten Nacht heimgekommen und Rekonvaleszenz geht eben am Besten im Bett mit Pizza und Serien 😉 Auf die neue Doctor Who Folge habe ich schon so sehnsüchtig gewartet wie ein kleines Kind aufs Christkind, und für einen kurzen Augenblick wollte ich sogar sauer auf meine Lieblingscousine sein, weil Mädel! Warum musst du ausgerechnet an dem Tag heiraten?! … aber hey, so haben sich zwei großartige Ereignisse zum wahrscheinlich glücklichsten Wochenende seit langem zusammengetan. Ich bin allerdings immer noch fertig, sowohl körperlich als auch emotional, Herz und Kopf tun weh, und die Füße auch.

Kurzfassung: ich habe es geliebt, und ich bin sehr verwirrt.

Wer nicht gespoilert werden will, sollte jetzt nicht weiterlesen, okay?

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Fanfictionfreitag: Aus der Asche

Deep Space Nine war gestern zuende – während der letzten drei Monate haben wir nochmal alle sieben Staffeln im Marathon geschaut und die besten (Raumschlachten! Klingonen! Quark! Spionage!) und schlimmsten (Holo-Sinatra für Arme! Baseball! Religiöse Fanatiker! Jadzias Tod!) Momente nochmal durchlebt. Ich fürchte ich habe eine Serien-Finale-Allergie, da bekomme ich immer tränende Augen und eine rinnende Nase und bei DS9 ist das ganz, ganz, ganz besonders schlimm … 😦

Aber zum Glück gibt’s Gabi Stiene und Martina Strobel, die “damals” als die Serie zum ersten Mal endete begonnen haben eine virtuelle achte Staffel zu schreiben, und vierzehn Jahre und neun Episoden später macht Gabi jetzt alleine weiter. Und das ist gut so, denn die beiden haben ein wirklich vielseitiges und spannendes Alternatives Universum geschaffen.

Deep Space Nine – Aus der Asche
von Gabi Stiene & Martina Strobel auf TrekNation.Net
(Sprache: Deutsch; Rating: 12 bzw. 16 Jahre)

Der Dominion-Krieg ist vorbei, Cardassia liegt in Trümmern, auf Bajor und DS9 kehrt allmählich wieder Normalzustand ein … Kira Nerys und Erika Benteen müssen sich mit den neuen Machtverhältnissen auf der Station arrangieren, politische und religiöse Verschwörungen bringen Premierminister Shakaar und seine cardassianische Lebensgefährtin in Bedrängnis, Siskos Sohn wird geboren und ist kein normales Baby, der Dieb Bareil aus dem Spiegeluniversum taucht wieder auf und macht gemeinsame Sache mit Quark und Vash und verdreht außerdem Kira den Kopf, kurz und gut: es lohnt sich zu lesen! 🙂

Rezension: Quasikristalle

Ich liebe Eva Menasse schon seit Vienna, und seit den Lässlichen Todsünden noch wesentlich mehr. Die Frau kann erzählen, sie kann abstrahieren, sie kann auseinanderkletzeln und zusammenfügen und nachhaltig faszinieren. Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich ihren neuen Roman endlich in den Händen gehalten habe.

“Erst kürzlich wurde entdeckt, dass es nicht nur Kristalle mit klar symmetrischer, sondern auch mit scheinbar ungeordneter Struktur gibt. Genauso verhält es sich mit dem Lebensweg: er ist verschlungen und unberechenbar und nur aus der Ferne als Ganzes erkennbar.”, sagt der Klappentext. Was genau so ein Quasikristall ist habe ich nicht ganz durchschaut, aber der Titel passt zu der Geschichte, die wie durch ein Kaleidoskop das facettenreiche Leben der Xane Molin beschreibt, es splittert mit jeder Drehung und fügt sich zu einem neuen, einzigartigen Muster wieder zusammen, es liegt wenn auch nicht immer offensichtlich im Auge des Betrachters.

Die Erzählperspektive ist interessant, um nicht zu sagen innovativ: jedes der dreizehn Kapitel erzählt eine andere Epoche in Xanes Leben, doch niemals aus Xanes Perspektive. Erzähler sind die Jugendfreundin, der Vermieter, die Ärztin, die pubertäre Stieftochter und viele andere mehr, manche kennen sie besser und andere nur flüchtig, manche lieben sie und andere können sie nicht leiden, manche bewundern sie und andere durchschauen sie; manchmal wirkt es fast so als sei Xane nicht die Protagonistin sondern spiele nur eine mal mehr und mal weniger signifikante Nebenrolle, als sei sie Statistin im Leben der anderen. Und doch lernen wir durch diese Herangehensweise, die erst einmal befremdlich scheint und doch ein stilistischer Kunstgriff der typisch für Eva Menasse ist (Lässliche Todsünden war ähnlich aufgebaut, wie ein subtiles Puzzle), Xane besonders gut kennen, intensiver und vielseitiger. Es ist dieses Spiel von Distanz und Nähe, das mich an der Geschichte besonders fasziniert.

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Rezension: In the Land of Invented Languages

“In the Land of Invented Languages” – der Titel klingt fast so, als sei es ein Reiseführer. Der Untertitel verspricht Adventures in Linguistic Creativity, Madness and Genius, der Klappentext Esperanto rock stars, Klingon poets, Loglan lovers, and the mad dreamers who tried to build a perfect language. Arika Okrent ist Linguistin und Psychologin und außerdem eine sachkundige, unprätentiöse, eloquente und witzige Reiseführerin in diesem metaphorischen Land. Und ja – das Buch ist tatsächlich aufgebaut wie eine Reise durch Jahrhunderte (denn “erfundene Sprachen”, öfters auch “konstruierte Sprachen”, “Plansprachen” oder auch “Conlangs” genannt sind kein Phänomen des modernen Geektums sondern datieren zurück bis ins Mittelalter) und diverse Sprachen und Kulturen, die erfundenen wie die realen und auch die wechselseitigen und die dazwischen.

Ich muss dazu sagen, ich bin Sprachwissenschaftlerin und war mir deshalb nicht sicher, was ich von diesem Buch erwarten sollte. Ich bin nämlich keine von diesen dogmatischen, überanalytischen Syntaxfanatikern, die Sprache als völlig losgelöstes, beinahe technisches System begreifen, und alles was mit “Phon-“ beginnt löst in mir unweigerlich Fluchtreflexe aus. Dementsprechend hatte ich fast schon Angst vor seitenweisen Traktaten, die ich schon nach “Einführung in die Generative Grammatik” und “Morphosyntax I” schnellstmöglich wieder verdrängt habe – und wurde positiv überrascht, denn selbst an den Stellen, wo die grammatischen Besonderheiten der verschiedenen Sprachen erläutert werden, geht das ohne selbstverliebt mit fachchinesischer Onanie zu langweilen. Arika Okrent konzentriert sich weniger auf die theoretische Konstruktion der konstruierten Sprachen als auf die zugrundeliegenden Weltanschauungen und die vielseitigen Motivationen der Konstrukteure. Die Reise in das Land der erfundenen Sprachen ist ihre ganz persönliche Reise, und sie nimmt uns dorthin mit, lässt uns teilhaben an ihren Entdeckungen und Erfolgen und auch an ihren Vorurteilen und Rückschlüssen.

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Rezension: Fic. Why Fanfiction Is Taking Over The World.

Verzeiht, dass der Fanfictionfreitag ausnahmsweise auf Samstag verschoben wurde – dafür gibt’s die Rezension jetzt kohärent und ohne Rechtschreibfehler 😉

Ich liebe die Metaebene … und deswegen lese (und schreibe) ich nicht nur Fanfiction, sondern ich lese (und schreibe) auch über Fanfiction. Das sehr aktuelle Buch mit dem ebenso schlichten wie einprägsamen Titel fic (Smartpop, Dallas, 2013) steht schon seit seiner Erscheinung auf meiner Wunschliste und seit kurzem auch im Regal. Besonders neugierig war ich auf die Beantwortung der Frage, ob und warum Fanfiction die Weltherrschaft übernimmt … also dann, allons-y!

Die Autorin, Anne Jamison (Professorin für Englische Literatur an der Universität Utah und außerdem aktiv auf Tumblr), schafft sowohl stilistisch wie auch inhaltlich einen wirklich bewundernswerten Spagat. Über weite Strecken liest sich das Buch wie ein amüsant geschriebener Blogpost oder Forenbeitrag in einem erfrischenden Plauderton, und trotzdem werden die zugrundeliegenden Themen weitestgehend seriös und fundiert behandelt.  Wer sich also für das Thema “Geschichte und Theorie der Fanfiction” interessiert aber keine Lust auf trockene und fremdwortlastige wissenschaftliche Traktate hat, wer neues Wissen erwerben möchte aber auf Belehrungen von oben herab lieber verzichten würde (beides kann ich übrigens absolut nachvollziehen!), der ist hier genau richtig.

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Rezension: Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele (1)

Ich hab’s ja grundsätzlich nicht so mit Hypes, aber der Lieblingsmensch wollte vor einiger Zeit unbedingt den Film schauen. Also haben wir den Film geschaut und ich fand ihn ziemlich, ziemlich gut – und das nicht nur wegen der unglaublich talentierten und mindestens ebenso unglaublich scharfen Jennifer Lawrence. 😉 Nun stehe ich Literaturverfilmungen grundsätzlich eher skeptisch gegenüber, aber ich liebe und achte gut geschriebene Jugendliteratur, also musste ich die Bücher einfach haben, just because. Und was bietet sich besser an als ein verregneter Feiertag (Mariä Schulfrei, oder was auch immer das diesmal war …) um ihn gemütlich mit Jennifer Lawrence Katniss und Katze im Bett zu verbringen?

Die Grundidee, die hinter Panem steckt, finde ich faszinierend und beängstigend gleichzeitig. Dieses dystopische, postapokalyptische Land voller Härte und Segregation und extremem sozialem Ungleichgewicht, das unfassbare Gräueltaten nicht nur billigt sondern auch zum Gaudium der Massen (panem et circenses, Brot und Spiele, der Titel kommt nicht von ungefähr) auf Staatskosten austrägt und mit Moral wegzuargumentieren versucht – wow. Irgendwie fühlte ich mich immer und immer wieder an Die Welle von Morton Rhue erinnert (das war das mit dem Nazi-Experiment in einer Schulklasse, es ist recht verbreitet als Schullektüre soweit ich weiß), nur mit dem Unterschied, dass Panem keinen realen Hintergrund hat … aber es fällt nicht schwer sich vorzustellen, dass irgendwann bald alles so kommen könnte. Sind die Menschen wirklich so?

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Rezension: Star Trek TAS

Kürzlich habe ich ja darüber geschrieben, dass wir uns The Animated Series auf DVD zugelegt haben. Und weil wir eben so sind wie wir sind, sind wir ein paar Tage später schon fertig mit Glotzen – waren ja nur lächerliche 22 Folgen. 😉

Obwohl ich jetzt schon länger darüber nachdenke bleibe ich hin- und hergerissen, was ich von der Serie halten soll. Star Trek TOS (zu deutsch: Raumschiff Enterprise) und die ganze Kirk-Ära waren nie meine Favoriten und ein großer Zeichentrickfan bin ich auch nicht (was allerdings nicht heißen soll, dass ich alles Gezeichnete / Animierte automatisch für “Kinderkram” halte – im Gegenteil!), und dennoch hat die Serie (TAS: The Animated Series) in ihrer gesamten Banalität doch irgendwie ihren eigenen Reiz.

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Fanfictionfreitag: here is the deepest secret …

Torchwood hat mein Herz gebrochen wie kaum eine andere Serie zuvor, deshalb meine Empfehlung für diese Woche:

here is the deepest secret nobody knows
von blackkat auf AO3 (archive of our own)
(Sprache: Englisch; Rating: Explicit)

For the web is dark and full of spoilers, deshalb sage ich es gleich: Natürlich ist es ein Children of Earth-fix-it, denn dieses Ende kann man einfach nicht kommentarlos so stehen lassen, das sind die tragischen und unbefriedigenden Enden für die Fanfiction überhaupt erst erfunden wurde. Im Gegensatz zu vielen, vielen anderen fix-its konzentriert sich dieses auf Ianto Jones und liefert eine äußerst kreative Lösung seines Problems, bei der keltische Mythologie und die walisische Muttergöttin Rhiannon eine tragende Rolle spielen. Und außerdem ist es wunderschön geschrieben. Schmacht.